Alexandra Baumgartner

Garten


Alexandra Baumgartner (*1991 in Zürich) nutzt die Fotografie als ihr Hauptwerkzeug innerhalb ihrer recherchegeleiteten Praxis. Indem sie dokumentarische Ansätze mit wissenschaftlichen Studien, künstlerischen Interpretationen und kollaborativen Arbeitsmethoden verbindet, untersucht Baumgartner die drängenden Fragen unserer Zeit.

Im Zentrum ihrer aktuellen Arbeit stehen Überlagerungsmomente von pflanzlichem und menschlichem Leben und unsere Verantwortung gegenüber dem, was wir gemeinhin als ›Natur‹ bezeichnen.

CV

Projektbeschreibung

Alexandra Baumgartner befasst sich mit der Pflanzenvielfalt des urbanen Raums und untersucht Strategien des Gärtnerns in Zeiten einer sich verschärfenden Klima– und Biodiversitätskrise. Anlass dafür ist ein geplanter Gartenumbau am Heidelberger Kunstverein.

Wir nennen ihn den ›Garten‹ des Heidelberger Kunstvereins. Als einziges Überbleibsel jedoch, dass auf einen gärtnerischen Eingriff schließen lässt, ragen die Köpfe der ehemaligen Sprinkleranlage aus dem dichten, teils vertrockneten Gestrüpp. Der aus Nordamerika stammende wilde Wein kriecht über den Vorplatz, die weidenblättrige Zwergmispel drängt aus ihrem Beet heraus und Sprösslinge und Wildgräsern brechen neben der kanadischen Goldrute durch die Rillen der Pflastersteine.

Über die Jahre hinweg hat sich im Hinterhof des Heidelberger Kunstvereins eine Zufallsgemeinschaft an Pflanzen zusammengefunden – unbeachtet und vielleicht sogar unerwünscht? Im Dialog mit der bestehenden Pflanzengemeinschaft und den räumlichen Gegebenheiten am Heidelberger Kunstverein wird mit Alexandra Baumgartners Projekt sowohl die Grundlage für anstehende Veränderungen geschaffen als auch über das Gärtnern und die Einteilung von Pflanzen diskutiert. Im Zentrum steht die Frage, ob in einer urbanen Umgebung Refugien für Pflanzen und Insekten entstehen können und welche Rolle öffentliche Institutionen dabei spielen.

Am Anfang des Projekts stand das unvoreingenommene Beobachten und fotografische Erkunden des Gartens und seiner nichtmenschlichen Organismen durch die Künstlerin. In Zusammenarbeit mit dem Künstler* und Biologe* Andromeda von Prondzinski wurden die ansässigen Pflanzenarten erkundet und bestimmt. Mit Landschaftsgärtner Yanik Kloter erforscht Alexandra Baumgartner, auf den ersten beiden Projektkomponenten aufbauend, den Gartenlebensraum der Pflasterfuge. In ihrem experimentellen Garten-Labor setzen sich die Beiden mit der Möglichkeit einer Erweiterung dieses bestehenden Lebensraums und der Vergrößerung der vorhandenen Biodiversität auseinander.

Veranstaltungen

›Was kann hier leben?‹

Auf dem Rundgang durch die Außenbereiche des Heidelberger Kunstvereins mit der Künstlerin Alexandra Baumgartner und Künstler* und Biologe* Andromeda von Prondzinski, werden die Pflanzen, die an dem Ort gedeihen, bestimmt und vorgestellt. Dabei werden wir auf zahlreiches wohlbekanntes, in unserem Alltag oft unsichtbar gewordenes, Kraut stoßen: Dunkelgrüner Efeu, zartes Tausendgüldenkraut, sowie die gefürchtete kanadische Goldrute. Letztere gilt nicht nur als Pionierpflanze, sondern wird auch als ›invasiver Neophyt‹ bekämpft. Oft zu Unrecht.

Über die Einteilung in ›einheimisches‹ und ›fremdes‹ hinausgehend, wird eine Betrachtungsweise vorgeschlagen, die eine Störung des planetaren Ökosystems und biogeografische Verschiebung von Flora und Fauna als gegeben hinnimmt. Auf Grundlage dessen werden Möglichkeiten des menschlichen Einwirkgens – des Gärtnerns – im Umgang mit invasiven Pflanzen und in der Erhaltung der Biodiversität besprochen.

Der Anlass ist der Auftakt des Forschungsprojekt am Heidelberger Kunstverein. Das Rechercheprojekt versteht den Garten des Heidelberger Kunstvereins als Aussen–Labor angewandter künstlerischer Forschung, in der Form und Sprache der Arbeit mit Pflanzen untersucht werden.

Die Veranstaltung fand am 5.8. statt.

›Intervention‹

Übergänge, Nähte, Fehlstellen, Risse, Lücken, Spalten, Brüche oder Zwischenräume irritieren und wirken gar störend. Etliche nichtmenschliche Organismen haben sich aber spezialisiert und können in diesen teils winzigen städtischen Freiräumen von Pflasterfugen oder Hofecken bestens gedeihen. Inspiriert durch das vorhandene Mini-Biotop Fuge, interessieren sich die Künstlerin Alexandra Baumgartner und der Landschaftsarchitekt Yanik Kloter in ihrer Arbeit für den spezifischen Lebensraum, der dort anzutreffen ist.

Baumgartner und Kloter erforschen die unterschiedlichen Qualitäten dieser Zwischenräume. Welche Oberflächen begünstigen die Festsetzung von Leben? Die Intervention des Duos versteht sich als Labor für experimentelle Gartenarbeit. Das Ziel ist eine Erweiterung des vorhandenen Lebensraums ›Fuge‹ im Garten des HDKV, sowie im Allgemeinen der Biodiversität von nicht-menschlichen Organismen im urbanen Raum. Hierzu werden einzelne Verbundsteine mit passgenauen Objekten verschiedenster Materialität ersetzt. Daraus ergibt sich eine Vielzahl an in sich geschlossener Mikro-Landschaften, die dennoch durch das bestehende Fugennetzwerk miteinander in Beziehung stehen.

Die Intervention reagiert auf architektonische Gegebenheiten am HDKV und vorgefundene Situationen des ›Überwachsen‹, ›Einnisten‹ und ›Aufbrechen‹ durch nicht-menschliche Organismen. Nicht vollends vorauszusehen wird das Ergebnis jedoch erst in den kommenden Monaten und Jahren zu beobachten sein.

Veranstaltungen
14.9.–17.9. Instagram Takeover
15.9. Einblick in das Labor experimenteller Gartenarbeit
16.9. Garten–Rundgang und Gespräch

Ökologie und urbaner Raum

künstlerische Forschung


Erstmals bietet der HDKV mehrmonatige Forschungsprojekte: die Künstlerinnen Alexandra Baumgartner und Maria Sturm widmen sich ökologischen Fragestellungen rund um den urbanen Raum. Alexandra Baumgartner befasst sich mit der Pflanzenvielfalt des urbanen Raums und untersucht Strategien des Gärtnerns in Zeiten einer sich verschärfenden Klima- und Biodiversitätskrise. Anlass ist ein geplanter Gartenumbau am HDKV. Im Zentrum ihrer Recherche steht die Frage, wie Freiräume in einer Stadt zu Refugien für Pflanzen und Insekten werden können und welche Rolle öffentliche Institutionen dabei spielen. Maria Sturm untersucht den Baustoff Zement.

gefördert durch Innovationsfonds des Landes Baden–Württemberg

Foto (c) Alexandra Baumgartner

Programm

Donnerstag, 5.8., 20 Uhr
Garten–Rundgang
›Was kann hier leben?‹
mit Alexandra Baumgartner und Andromeda v. Prondzinsk


Dienstag – Freitag, 14.9.–17.9.,
Instagram Takeover
›Intervention‹
von Alexandra Baumgartner und Yanik Kloter


Mittwoch, 15.9., 16 Uhr
Einblick: Labor experimentelle Gartenarbeit
›Intervention‹
mit Alexandra Baumgartner und Yanik Kloter


Donnerstag, 16.9., 18:30 Uhr
Garten–Rundgang
›Intervention‹
mit Alexandra Baumgartner und Yanik Kloter


Mittwoch, 29.9., 12:00 Uhr
Führung
Spaziergang im Steinbruch Nußloch
mit Tina Gölzer, Ulrich Schneider und Maria Sturm
Anmeldung: hdkv@hdkv.de


Dienstag, 26.10., 18:00 Uhr
Gespräch
›Zum utopischen Potenzial von Zement
mit Maria Sturm und Elisabeth Weydt

Maria Sturm

Zement


Maria Sturm (*1985 in Rumänien, lebt und arbeitet in Berlin) studierte Fotografie an der Fachhochschule Bielefeld und an der Rhode Island School of Design als Fulbright- und DAAD-Stipendiatin. Sie arbeitet an persönlichen Projekten, fotografiert im Auftrag und unterrichtet gelegentlich.

›You don’t look native to me‹ über den nicht anerkannten Lumbee Stamm aus North Carolina erhielt zuletzt den Daylight Photo Award, den PHmuseum Women Photographers Grant und eine Förderung der Stiftung Kunstfonds. Die Arbeit wurde zum Beispiel in der Aperture Foundation und auf dem Addis Foto Fest oder dem Format Festival gezeigt. ›For Birds‘ Sake‹ in Kollaboration mit Cemre Yesil wurde unter anderem in How We See: Photobooks made by Women, Colors Magazine, The Guardian und British Journal of Photography veröffentlicht. Sie wurde während FotoIstanbul, Organ Vida und in den Deichtorhallen ausgestellt und wird am 26. September bei C834 in der Le Corbusier Unité d’Habitaion Berlin gezeigt.

CV

Projektbeschreibung

Maria Sturms Projekt ›How to kill a tree‹ beleuchtet den Rohstoff Zement auf zwei Ebenen: Zum einen erzählt sie von der Allgegenwärtigkeit des Rohstoffs in der Natur und im Kontrast zu der Natur (z.B. in Form von Staudämmen, Brücken, Straßen etc.), aber auch wie die Natur umgekehrt auf diese Bauten rückwirkt.

Zum anderen untersucht sie das Material mikroskopisch, indem sie seine Beschaffenheit als ›künstlicher Naturstein‹ und damit sein ästhetische Potenzial durch diese Nahaufnahmen herausstellt.

Veranstaltungen

Spaziergang im Steinbruch Nußloch

Wie verändert sich ein Biotop durch den Abbau von Zement und wie werden Renaturierungen geplant und durchgeführt?

In einem Gespräch zwischen der Geografin Tina Gölzer (Projektleiterin Umweltmanagement und Nachhaltigkeit bei HeidelbergCement) und Maria Sturm wird es um die Flora und Fauna im z.T. noch aktiven Steinbruch in Nußloch gehen. Das Gespräch wird in Form eines Spaziergangs im Steinbruch selbst angeboten.

Standort

Veranstaltungshinweis: festes Schuhwerk, Sonnenschutz und ein eigenes Getränk sind unbedingt notwendig.

Anmeldung: hdkv@hdkv.de

›Zum utopischen Potenzial von Zement‹

Gemeinsam mit der Journalistin Elisabeth Weydt (Radio Utopistan – stellt regelmäßig utopische Ideen vor, vor allem Nachhaltigkeitsthemen) wird Maria Sturm ein Gespräch zum utopischen Potenzial von Zement im Heidelberger Kunstverein führen.