#Vivian Greven Bilder: ›Nabel‹

Bild: Vivian Greven, ›APL‹, 2020, Öl und Acryl auf Leinwand, 200 x 220 cm, Courtesy der Künstlerin und FUNDACIÓN MEDIANCHEO, Foto: Ivo Faber

Eine Halspartie nimmt die gesamte Bildfläche ein. Persönliche Attribute bleiben aus: Der Ausschnitt beginnt direkt unterhalb des Mundes und endet kurz vor der Brust. Die Haut ist gleichmäßig, das Ganze wirkt fast abstrakt. Im Wechselspiel aus Freilassung und Erhebung auf der Malschicht ist die Oberfläche mit acht Äpfeln bemustert. Da, wo der Apfel reliefartig hervorsticht, hat die Künstlerin Farbschicht über Farbschicht gelegt. Sofort fühlt man sich an das Apple–Logo erinnert. Doch irgendetwas ist falsch: Es fehlt der Biss, der den Apfel zu Appel macht. Dennoch fällt es schwer das Motiv nicht mit dem weltweit bekannten Markenzeichen der Firma in Verbindung zu setzen.

Die Kombination Apfel und Halspartie geben den Weg für weitere Assoziationen frei, zum Beispiel: Adamsapfel. Der deutlich hervorspringende Teil des Schildknorpels mag bei Männern ausgeprägter sein, kommt aber in jedem Körper vor. Die Vergrößerung des Kehlkopfes bestimmt die Tonlage der Stimme und ist gleichzeitig als markantes physisches Zeichen ein sekundäres Geschlechtsmerkmal. Zur Herkunft des Namens wird gerne auf die biblische Erzählung des Sündenfalls verwiesen, in der Adam ein Stück der verbotenen Frucht im Hals stecken bleibt – wieder ist der Apfelbiss von Bedeutung, der im Gemälde Grevens ausbleibt. Interessanterweise bedeutet das hebräische Wort für Schildknorpel gleichzeitig auch Apfel. Und Adam heißt in dieser Sprache nichts anderes als: Mann. Das Motiv des Apfels ist damit längst nicht erschöpft. Interessant ist, wie die Künstlerin sich dem mehrdeutigen Sinnbild annimmt und Bezüge zu Brauchtum, Volksglauben und Mythen zulässt, und gleichzeitig auf die Wirkungsmacht der Tech-Giganten in unserem digitalen Zeitalter verweist.