Valeria Abendroth

Valeria Abendroth versucht in ihrer künstlerischen Arbeit einen Einblick in laufende Forschungsarbeiten zu geben, die sie im Rahmen eines Residenzstipendiums in Heidelberg begleitete. Abendroth konnte die neuesten Entwicklungsprozesse zur Herstellung von medizinischen Modellen für Diagnose und Studienzwecke in den Labors der Heidelberger Uniklinik und des in Heidelberg ansässigen Softwareentwicklers Inova DE auf dem Gebiet des 3D-Drucks mitverfolgen. Ihre Rauminstallation ›Laboratorium suggerere‹ fingiert ein medizinisches Entwicklungslabor, in dem Modelle von menschlichen Organen, Knochen und Venensystemen hergestellt werden.
Abendroth präsentiert in der von ihr entworfenen Situation 3D-gedruckte Modelle in einem klinisch anmutenden Laborsetting: Folienvorhänge, Chirurgenstahl und Reagenzien, ein laufender Bildschirm und Geräusche, wie aus einem Labor, lassen vermuten, dass erst vor kurzem noch dort gearbeitet wurde. Die Künstlerin versteht die Arbeit als taktile Installation, in die die Ausstellungsbesucher*innen eingeladen sind, den fiktiven Laborraum zu erkunden und die 3D-Modelle und Materialproben zu berühren. Ein Video zeigt zusätzlich – exemplarisch als Bildschirm-Recording inszeniert – die Selektion eines Organs aus einem umfangreichen CT-Scan, Renderings von Herz, Leber und Gehirn sowie Animationen des Druckaufbaus dieser Organe im Zeitraffer. Begleitet wird das Video von einer Geräuschkomposition der Künstlerin. So werden die visuellen Übersetzungsleistungen der Software, vom Scan über das Rendering bis hin zum physischen Objekt, nachvollziehbar. Die Installation wird ergänzt durch weitere Skulpturen, die Körperteile und innere Organe assoziieren und in denen Abendroth Eigenschaften von medizinischen Materialen wie Dentalwachs, Zirkoniumoxid oder Schaumstoff untersucht: ›Spurma‹ ähnelt beispielsweise einem riesigen DNA-Strang oder ›Poly‹, die an über einem Tropfständer hängende Gedärme erinnert.

Valeria Abendroth (*1984, Niznevartovsk/Russland) lebt und arbeitet in Kassel. Nach einer Ausbildung zur Zahntechnikerin studierte sie Freie Kunst an der Kunsthochschule Kassel. Parallel zur documenta 13 (2017) richtete Valeria Abendroth eine spektakuläre Installation im Schaufenster der Galeria Kaufhof in Kassel ein. Eine Auswahl ihrer Arbeiten wurde im Museum für Sepulkralkultur in Kassel (2016) gezeigt. Seit November 2018 ist sie Stipendiatin des S+T+ARTS Programms der Europäischen Kommission. In diesem Zusammenhang wurde Ihre Arbeit 2019 im Centre Pompidou präsentiert, wo auch 2020 eine Abschlusspräsentation geplant ist. 2019 wurde sie mit dem ersten Preis des Nova Art Contest für junge Künstler*innen aus Russland ausgezeichnet.