Carolin Heel über Valentina Jaffé

Obwohl die Werke Jaffés im Naturstudium entstehen, kreisen ihre Arbeiten doch stets um ein Verhältnis. Natur ist nicht Modell, sondern Symptom – für das Verhältnis zwischen Mensch und Welt. Ihre Naturbilder zeigen Blüten und großformatige Blätter, die sich übereinanderlegen. Die Künstlerin lässt Bahnen aus Langfaserseide ineinander verlaufen und umrandet in den zarten, überdimensionalen Outlines ihr prominentes Motiv der Pflanze. Immer liegt jedoch eine Schicht dazwischen, wird überdeckt, verdoppelt und verwischt. Umhüllung und Verschleierung scheinen auf den zweiten Blick die eigentlichen Themen zu sein, die sich gegen den eigenen Charakter in den Vordergrund drängen.

Die Wiederholung des Motivs des Verschwimmens gibt serienübergreifend das starke Drängen der Künstlerin wieder, das Nicht-Festhaltbare zu fassen. Jaffés Motive werden Zeugen menschlicher Empfindung, in der sie ineinanderlaufen und unwiederholbar zergehen. Festgehalten wird in der Anerkennung des Zerfließens, wodurch menschliche Wahrnehmung mit der Sehnsucht verbunden wird, das Unwiederbringlich einzufangen. Licht, Wasser – Elemente der Natur, werden aus der Augenblicklichkeit enthoben und zu Elementen der Dauer. Die Illusion der Ewigkeit ephemerer Motive kann nur im atmosphärischen Spiel dieses Schleiers geschehen. Jaffés Werke könnten als Naturstudium verstanden werden. Doch die stets zarte Umkreisung, das leise Auftauchen von Spuren der eigenen Präsenz setzen die Photocollagen, Keramiken und Tücher als Besetzung sanfter Statthalter ein, die vor allem an die Vergänglichkeit der Wahrnehmung erinnern.

Why do I always paint flowers? lässt den Moment der Unklarheit zu, sich zwischen Sehnsucht und Erleben zu bewegen. Die Tücher teilen nicht nur den Ausstellungsraum, sondern appellieren an den Durchgang zwischen Sinneseindruck und Umwelt. Die Fragilität der Werke erinnert an die Vergänglichkeit, die sowohl dem menschlichen Erleben als auch der Vegetation der Natur innewohnt. Jaffé wird so zu einer Künstlerin der Zeit, denn es geht in ihren Serien darum, dem Phänomen des Atemzugs der Empfindung Dauer zu verleihen.

Der Zusammenfluss von Eindrücken zeigt sich im Zerfließen der Materialien und Medien. Valentinas Arbeit steht somit an der Mündung menschlicher Wahrnehmung, äußerer Zustände und sinnlicher Künstlerschaft.