#ÜberKörper Readings: Körper als Fragment

Im Surrealismus der 1930er Jahre wird beispielsweise vermehrt mit Puppenelementen gearbeitet: Hans Bellmers Serie ›La Poupé‹ zeigt unheimliche Körperkonstruktionen aus ineinander gesteckten Körperfragmenten –  imaginierte Figurenkonstruktionen, die weniger auf den lebendigen Körper verweisen, sondern vielmehr eine Auseinandersetzung mit den bedrohlichen Tiefen der Psyche andeuten. Stereotypisch weibliche Körper werden bei Bellmer buchstäblich zu zergliederten, zerstückelten Objekten. Ein misogyner Topos des weiblichen Körpers als passiv und zugreifbar scheint auf. Ohnehin tragen stereotypisch weibliche Körperfragmente wie langes Haar, die Vulva, Brüste oder die Taille als stellvertretende Marker ›des Weiblichen‹ nicht nur in der Kunstgeschichte diverse zugeschriebene Bedeutungen. So werden sie eher mit Natur als mit Technik in Verbindung gebracht, sind Symbole für Aufnehmen nicht für Schaffen. Phallische Körperfragmente funktionieren gängig als Metaphern für Produktion, man denke beispielsweise an schallende Musikanlagen, sogenannte Towers oder Waffen – die Form des ›weiblichen‹  Schoß hingegen tritt eher als aufnehmende Vase oder Schmuckfigur auf. Die Modekette Monki, eine Tochter des Milliardenkonzerns H&M, wirbt immer wieder mit einer vermeintlich feministischen Marketingstrategie aber zu kaufen gibt es Schoßvasen und Brüstetassen. Wie ist das zu verstehen?