Stefan Hohenadl

Günter Nosch, ›Verabredete Zeichen 1‹, 2018

»Günter Nosch lebt in München. Er ist ein Maler, der schreibt, sich immer für Sprache, für Lyrik, interessiert hat. Einer unserer ältesten Freunde. Ein Freund aus der Jugend in Heilbronn. Gemeinsame Studienjahre in München und Landleben am Ammersee in den späten 70ern und Anfang der 80er. In den bisher vierzig Jahren seiner Arbeit hat er seine malerischen Möglichkeiten weit herum ausgelotet. Vieles probiert. Auf das malerische Projekt ›Teer und Teufel‹, eine wuchtige Raumausmalung mit Teer und Terpentin, folgte eine Zeit, in der er viele figurative Stillleben in leuchtender Farbigkeit malte. Erinnere mich lebendig an eine Ausstellung dieser Arbeiten damals in München. Ich glaube, er hat nahezu alles verkauft damals. Später dann weniger Farbigkeit, mehr Leere, mehr Weiß. Oft schrieb er seine Ideen als Worte ins Bild hinein. Noch später dann und über Jahre hin, die fein und feiner abgestuften, immer weiter entwickelten Rakelbilder, in denen die lesbaren Worte durch die Bedeutung der Bewegungsrichtung des nahezu starren Werkszeugs ersetzt waren: Senkrecht für Mensch oder Kraft, waagerecht für Landschaft, Himmel, Horizont. Diese Bilder waren in vielen Ausstellungen zu sehen. Immer wieder an Orten für konkrete Kunst.

Seit zwei, drei Jahren er-findet er fremde Alphabete, zeichnet an Buchstaben erinnernde Formen mit Elektrokabeln. Man kennt vom Fön her oder vom Telefon, wie diese Kabel sich winden und wickeln und drehen. Er fixiert diese Beweglichkeiten und Bewegungen, wie er sie will, aber auch, wie sie sich ergeben. Hier, in ›Verabredete Zeichen‹ führt er die Kabel durch Bohrlöcher und friert so den Moment ein; sie können gar nicht anders, als die einmal angenommene Form beizubehalten. Jeden Tag will ein Teil meines Gehirns darin etwas Bekanntes lesen und sieht das alpha und das s und das ypsilon und ein paar Bruchstücke von Irgendwas, während der Rest weiß, dass ich das auch lassen könnte. Die verabredeten Zeichen sind sowieso eine restlos geheime Geheimsprache und überdies tags anders als nachts. Wie im richtigen Leben sind nachts die Kontraste gemildert und das Auge liest anders. Die milchige Scheibe, die am Tag die Differenz macht, befördert am Abend die Ganzheit. Ich sehe eine lange Bewegung, Anfang und Ende offen.«

Kabel, Acrylglas, Holzrahmen, 72 x 52 cm