Space House, 1933

›Ich fordere (…) den Bau, der der Elastizität der Lebensfunktion adäquat ist (…) Die Schaffung neuer Lebensmöglichkeiten und durch sie neuer Bedürfnisse, die die Gesellschaft umbilden.‹

(F. Kiesler)

 

Friedrich Kiesler ging 1926 nach New York, um mit der ›International Theatre Exposition‹ seine avantgardistischen Ideen auch in der neuen Welt zu präsentieren. 1933 zeigte er dort in den Schauräumen der Modernage Furniture Company das ›Space House‹ als 1:1 Modell für ein interaktives Design. Darin offenbaren sich viele Kernelemente seiner Architekturtheorie. Die Grundidee ist, dass die Architektur die physiologischen und psychologischen Prozesse des menschlichen Körpers ergänzen muss.

Kiesler wandte sich vom traditionellen Stützsystem ab und setzte auf gerundete Formen und nahtlose Übergänge, so dass ein fließender Raum ohne Ecken entsteht. Seine Auseinandersetzung mit dem Einfamilienhaus geht mit der Weltwirtschaftskrise und der daraus resultierenden Wohnungsnot einher. Ein Regierungsplan sah vor, in den USA billige Unterkünfte für Menschen mit geringem Einkommen zu bauen. Kiesler formulierte neue Entwürfe, die soziale Forderungen enthielten. Sein neues Bauprinzip ließ er vor allem an der Fassade veranschaulichen: Ein monolithischer Schalenbau, der auf den sphäroidalen und auf gleichmäßiger Spannungsverteilung basiert, und auf einem sockelartigen Unterbau ruht. Dazu sollten neue Materialien wie Glas, Plastik und Spannbeton verwendet werden. Der Architekt verfolgte die Idee von einem Einheitsraum: alle statisch bedingten Unterteilungen zu entfernen und Boden, Stützen, Decke zu verbinden. Er entwarf einen Baukörper, der eine selbstragende und abgeflachte Kugel darstellte. Damit sollte die räumliche Flexibilität gewährleistet sein und die Bewegungsströme im Raum könnten sich in jede Richtung frei entfalten. Sein Ziel war es, einen kostengünstigen Bau durch die Nutzung neuer Technologien mit Flexibilität zu verbinden. Die flexible Raumeinteilung sollte durch Vorhänge und Schiebewänden möglich sein: nach Bedarf konnte die Raumstruktur durch eine elektromechanische Vorrichtung verkleinert oder vergrößert werden, damit individuelle Wohnbedürfnisse auf kleinstem Raum befriedigt werden könnten.