Sonia Levy: ›Hafrún‹

Hafrún ist der Name der ältesten Quahog Muschel, die 2006 vor der Küste von Grímsey, einer kleinen Insel im Norden Islands, ausgegraben wurde und kurz danach in den Händen der Wissenschaftler starb.

Sonia Levys 2–Kanal Filminstallation ›Hafrún‹ (2019) ist eine Kollaboration mit dem Taucher Erlendur Bogasson. ›Hafrún‹ kontrastiert aufgenommene Unterwasseraufnahmen hydrothermaler Quellen, Lebensräume der Muscheln, mit der Dokumentation der labortechnischen Kartierung dieser Muschelvorkommen. Die Betrachter*innen erhalten Einblicke in die Routinen wissenschaftlicher Rationalität: die Muscheln werden nummeriert, gewaschen, vermessen, in Resin eingetaucht und geschnitten, ihre Muster untersucht. Da diese Hinweise darüber geben, wo und unter welchen Bedingungen sich die Muschel aufgehalten hat, dienen sie als eine Art Archiv jahrhundertelanger Umweltveränderungen sowie als Mittel zur Vorhersage der ökologischen Zukunft. 

In ›Hafrún‹ artikuliert Sonia Levy nicht nur die Arten und Weisen, wie der Mensch Gewässer studiert, aus ihnen schöpft und versucht zu beherrschen, sondern auch die vorherrschende Assoziation zwischen Meer und Frauenkörper durch den weiblichen Namen Hafrún. Beide erscheinen im westlichen kulturellen Imaginären als unberechenbar, von Flüssigkeitsströmungen gesteuert, auf den Mond eingestimmt und vor allem als Generatoren des Lebens, wie Feministin Astrida Neimanis es in ihrem Essay ›Hydrofeminism: Or, On Becoming a Body of Water‹ (2012) beschreibt.