The Shrine of the Book, Israel-Museum, Jerusalem, 1965

›Dieser Stil hat nichts mit den neuen Häusern der Park Avenue und der Avenue of the Americas zu tun, sondern führt uns in kontinuierlicher Folge aus biblischen Zeiten in die Zukunft.‹

(F. Kiesler)

 

Der Schrein des Buches ist ein zeltähnliches Gebäude aus Beton und weißen Kacheln, das zum israelischen Nationalmuseum in Jerusalem gehört. Es besteht aus mehreren Raumeinheiten bzw. Stockwerken, die teilweise unterirdisch gelagert sind. Der Schrein bewahrt biblische Dokumente, antike Schriften und Schriftrollen auf. Die verschiedenen Gebäudeteile sind in ihrer Raumaufteilung, Höhe und Farbe unterschiedlich gestaltet. Außerdem ist der Bau von hell zu dunkel abgestuft; die unterschiedlichen Tageszeiten und die Lichtverhältnisse sind ein wesentlicher Bestandteil des ganzen ›kosmischen Ablaufs‹. Der Besucher schreitet durch eine Raumfolge, bis er zum ›heiligsten aller Räume‹ gelangt, in dem die biblischen Dokumente, die 1947 in den Qumran-Höhlen nahe des Toten Meers gefunden wurden aufbewahrt werden. Im Mittelpunkt des Schreins befindet sich die Jesaja-Schriftrolle (Heute eine Nachbildung), die die korrekte Textüberlieferung der Masoreten belegt.

Kiesler beschreibt die Form seines Baus als die eines ›alten Gefäßes für Wein mit einem breit ausladenden Bauch und einem offenen Hals. Wir aber sehen nur den oberen Teil dieses Gefäßes. Seine untere Hälfte, die die Höhe von zwei Stockwerken hat, befindet sich unter der Erdoberfläche, während die obere Hälfte aus einem viereckigen Wasserbecken in die Höhe strebt‹.

Er erklärt, dass der Bau einen ideologisch neuen Architektur-Typ repräsentiert und nicht nur die Funktion als Schrein besitzt, vor allem aber soll er seinen Inhalt widerspiegeln. Es soll die Idee der Wiedergeburt sein; Kiesler merkt an, dass Israel 2000 Jahre im Untergrund war. Mit dem Gebäude erhoffe er sich, die Auferstehung des Lebens darzustellen. Die Dunkelheit wird durch die Basaltwand im Inneren repräsentiert und die Idee der Auferstehung durch die doppelte Parabelkurve des Außenbaus.