Shawn Maximo

Shawn Maximo kreiert architektonische Raumentwürfe, in denen er Referenzen zeitgenössischer Kulturtechniken verarbeitet und mögliche Zukunftsvisionen darstellt. Dafür schafft er Bilder, Skulpturen, Animationen, Möbel, Theaterkulissen und Installationen.
Für die Arbeit ›deeprecession station‹ (ein Kofferwort aus den Wörtern deep = tief und recession = Isolation) verwandelt Maximo den Bereich unter der Empore des Heidelberger Kunstvereins in einen sonderbaren verlassenen Bau, der den Eindruck einer Zufluchtsstätte erweckt, die, isoliert von der Außenwelt, Spuren einer Zivilgesellschaft zeigt, die dort zu leben scheint. Er bezieht sich dabei auf die Theorie der Hohlen Erde, die 1692 vom Astronomen Edmond Halley vorgeschlagen wurde, um das sich verschiebende Magnetfeld der Erde zu erklären. Sie konstruiert einen hohlen Erd-Innenraum, in dessen Mittelpunkt eine Sonne angenommen wurde.
Über wie Schilder montierte Displays werden Computer generierte Bilder (CGI’s) gezeigt, die Einblicke in Maximos detaillierte Vorstellungen von Orten so einer isolierten Gesellschaft gewähren. In dem Bildpaar ›Blessed be the Fruit‹ und ›Pure Life‹ beispielsweise reflektiert Maximo das Ungleichgewicht der globalen Ressourcenverteilung und die daraus resultierenden Folgen. Er prophezeit eine steigende Abgrenzung und Isolation der privilegierten Bevölkerungsschichten, die mit der Abnahme der verfügbaren Ressourcen einhergeht. Gehen die Reichen irgendwann unter die Erde?
Fackeln an den Wänden (›Torches‹) und eine Matratze vor einem Display auf dem Boden (›Dream Distribution‹) sind einzige hinterbliebene Zeichen, die den Besucher*innen Hinweise auf eine zivile Gegenwart sind. Wie ein Altar taucht inmitten der Säulen ein Triptychon aus Bildschirmen auf, unter denen ein Haufen schwarzer Schutt liegt. Als ob dieser aus dem drei-geteilten Bild geschaufelt wurde, verweist er auf das skurrile Bestattungs-Szenario in ›Heaven’s Gate‹. Was wäre wenn wir nicht, wie bisher, in einem Sarg oder einer Urne beerdigt, sondern in einer Raumkapsel gebettet, um auf unsere letzte Reise geschickt zu werden? Der Titel der Arbeit bezieht sich auf eine gleichnamige, in den 1980er Jahren in den USA gegründeten, Sekte, dessen Vorsteher 39 seiner Anhänger zu einem Massenselbstmord ermutigen konnte. Grund dafür war das Versprechen, nach dem Tod auf ein Raumschiff gebeamt zu werden und so andere Galaxien bereisen zu können.

Shawn Maximo (*1975, Toronto) lebt und arbeitet in New York. Er studierte Architektur an der Princeton University. Maximos Werke wurden international in Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt, darunter u.a. in Gruppenausstellungen im ZKM Karlsruhe (2017), in der Kunsthalle Wien (2017), im Vitra Design Museum Weil am Rhein (2017), auf der Berlin Biennale (2016), im Musee d’Art Moderne de la Ville de Paris (2015), im Perez Art Museum Miami (2014), in der TATE Modern in London (2013) und im MoMA P.S.1 New York (2012). Seine erste Einzelausstellung fand 2019 in der Galerie Roehrs & Boetsch statt. 2017 wurde er mit dem Arts Abroad Grant des Canadian Council for the Arts prämiert.