San Francisco Poster Brigade

 San Francisco Poster Brigade

 ›To Hell with their Profits‹, 1979

›Chase Manhattan Bank‹, 1976

›Delmonte profits from Apartheid‹, 1978

 ›Stop Forced Sterilization‹, 1978

 ›Mary ›Mother‹ Jones‹, 1979

›Boycott Nestlé – For Unethical Promotion and Sale of Infant Formula In The Third World‹,1979

 

Das Kollektiv San Francisco Poster Brigade wurde im Jahr 1975 von Rachael Romero und Leon Klayman in der San Francisco Bay Area gegründet und war bis 1981 aktiv. Das Kollektiv produzierte zahlreiche Plakate. Themen umfassten Arbeiter- und Arbeitskämpfe, internationale Konflikte wie die Apartheid in Südafrika, der Faschismus in Chile und politische Gefangene in Spanien. 1980 begründeten sie das ›Internationalist Art Festival (Anti WW3 Show)‹. Die Show bereiste die USA von 1980 bis 1982. Alle Plakate der Gruppe wurden von Rachael Romero gestaltet. Die australische Künstlerin arbeitet mit Plakaten, Drucken, Installationen, Filmkunst, Malerei und Schriften. Ihre Plakate befinden sich heute u.a. in den Sammlungen von: V&A Museum London, MoMA New York, SFMOMA San Francisco, Museum für Gestaltung Zürich. Sie bekamen mehrere Aufenthaltsstipendien etwa für die Künstlerkolonie MacDowell in New Hampshire oder die Yaddo in New York.

 

 ›To Hell with their Profits‹, 1979

Dieses Plakat entstand für die US-amerikanische Bewegung ›Mental Patients Liberations Movement‹.

Die juristische Arbeit der Bewegung konzentrierte sich auf reine Verfahrensfragen vor Einleitung einer Zwangsbehandlung. Eine wichtige Klage, die die Prüfung dieses Rechts zum Gegenstand hatte, strengten 1975 sieben Patient*innen der staatlichen Psychiatrischen Anstalt in Boston an; die meisten von ihnen waren Mitglieder einer Patientenrechts-Gruppe, welche sich jede Woche mit Unterstützung der ›Mental Patients‘ Liberation Front‹ (Befreiungsfront von Psychiatrie-Patient*innen) innerhalb der Anstalt trafen. Dieser Fall wurde zunächst bekannt unter ›Rogers vs. Macht‹; später hieß er ›Rogers vs. Okin‹ (1979). Das Urteil brachte ein begrenztes Recht auf Ablehnung einer Behandlung (in diesem Fall mit Psychopharmaka) für Patient*innen in Massachusetts.

Die aufgezwungen Therapierung mit Psychopharmaka stellen ein anhaltendes Problem dar: Patient*innen in Psychatrien, denen Antipsychotika verabreicht wurden, erleiden Langzeitverletzungen. Eine der häufigsten Nebenwirkungen ist die Spätdyskinesie, die zu einem Verlust der Körperbeherrschung führt. Die Pharmaunternehmen machen mit dem Verkauf der Medikamente enorme Gewinne, und Psychiatrien können durch Übermedikation der Insassen Abstriche machen, anstatt dauerhafte und rehabilitative Alternativen zu finden.

 

 ›Chase Manhattan Bank‹, 1976

David Rockefeller war von 1960-1999 Präsident des Finanzkonzerns ›Chase Manhattan Bank‹ (1955-2000). 1961 wurde das neue Hauptquartier, das ›One Chase Manhattan Plaza‹ eröffnet. Der 60-stöckige Wolkenkratzer war zu diesem Zeitpunkt das größte Bankgebäude der Welt. Unter Rockefellers Führung stellte sich die ›Chase Manhattan Bank‹ international breiter auf und wurde zu einem zentralen Pfeiler des internationalen Finanzsystems. Dabei war einer der wichtigsten Märkte Lateinamerika. Es gab Niederlassungen in Chile, Venezuela, Peru, Argentinien, Honduras. Anfang der 1970er Jahre hatte die Bank schon in nahezu jeder europäischen Hauptstadt eine Niederlassung, sowie in Asien (Südkorea, Malaysia, Jakarte, Südvietnam) und Afrika: Johannesburg Lagos, Monrovia. In den 70er Jahren baute das Unternehmen die Märkte im Nahen Osten und Nordafrika aus. Zusätzlich wurden die gemeinsamen Banken in Saudi-Arabien, Katar, Iran, Kuwait und anderen Ländern aufgebaut.

Rockefeller war von 1949 bis 1985 Direktor, von 1950 bis 1970 Vizepräsident und von 1970 bis 1985 Vorstandsvorsitzender des ›Council on Foreign Relations (CFR)‹. Mit Henry Kissinger, der in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten zwischen 1969 und 1977 eine zentrale Rolle spielte, verband ihn eine ähnliche politische Perspektive. Kissinger wurde Mitglied der Stiftung Rockefeller Brothers Fund. Rockefeller beriet sich bei zahlreichen Gelegenheiten mit Kissinger, wie zum Beispiel wegen der Interessen ›der Chase Manhattan Bank‹ in Chile und der Bedrohung für die Bank durch die Wahl von Salvador Allende zum Präsidenten im Jahre 1970. Rockefeller unterstützte mehrere US-Präsidenten als inoffizieller Emissär bei diplomatischen Missionen. Auf Grund seiner Verbindungen konnte er Brücken auf der ganzen Welt schlagen, selbst zu Persönlichkeiten wie Fidel Castro, dem Schah von Persien, Nikita Chruschtschow, Michail Gorbatschow und Saddam Hussein. 1952 veröffentlichte der New Yorker Arzt und McCarthy-Anhänger Emanuel Josephson ein Pamphlet gegen den angeblichen ›Internationalisten‹ Rockefeller, dem er vorwarf, seine ökonomische Macht und seine vielfältigen Beziehungen zu missbrauchen.

 

 ›Del Monte profits from Apartheid‹, 1978

Dieses Plakat entstand im Auftrag der ›Bay Area Namibia Action Group‹, San Francisco, und wurde als Flugblatt gedruckt. Darin wurde die Zusammenarbeit Del Montes mit einer südafrikanischen Fischerei kritisiert. Del Monte exportierte Sardinen, die an der Küste Namibias gefangen wurden. Die Kooperation verstieß jedoch gegen ein U.N.-Dekret, das die Nutzung von Ressourcen aus Namibia verbot, solange Südafrika Namibia illegal besetzt hielt. In Südafrika herrschte 1948-1994 eine staatlich festgelegte und organisierte Rassentrennung. Sie war vor allem durch die autoritäre, selbsterklärte Vorherrschaft der ›weißen‹, europäisch-stämmigen Bevölkerungsgruppe über alle anderen gekennzeichnet. Afrikanische Frauen wurden zusätzlich zur Rassentrennung aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert; u.a. wurden sie für mindere Arbeit noch schlechter bezahlt als die afrikanischen Männer.

›Del Monte Foods‹ ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit Firmensitz bei San Francisco. Das Unternehmen wurde 1916 als California Packing Corporation gegründet und produziert Gemüse, Obst und Tiernahrungsmittel.

 

 ›Stop Forced Sterilization‹, 1978

In den 1960er und 1970er wurde in Amerika im Rahmen neuer Familienplanungsprogramme eine beträchtliche Anzahl sozialschwacher Frauen, die in erster Linie Minderheiten angehörten, nach der Geburt von Ärzten sterilisiert. Den Frauen wurde tlw. vorgegeben, dass sie ihren Anspruch an Sozialleistung verlieren würden, oder nicht im Krankenhaus gebären dürften, sollten sie eine Sterilisation ablehnen. 1909 verabschiedete Kalifornien als dritter Staat ein Sterilisationsgesetz. Dieses Gesetz hatte ursprünglich die Verhinderung des sog. erblich ›minderwertigen‹ Nachwuchses zum Ziel und konzentrierte sich auf die Unfruchtbarmachung der Träger von Erbkrankheiten.

Der Staat führte mehr als 20.000 Sterilisationen durch, bis das Gesetz 1979 aufgehoben wurde. Zweiunddreißig Staaten hatten von der Regierung vorgeschriebene Sterilisationsprogramme. Der letzte Staat, der ein solches Gesetz aufhob, war Mississippi im Jahr 2008.

 

 ›Mary „Mother“ Jones‹, 1979

»Ich gehöre zu einer Klasse, die viele Jahrhunderte lang ausgeraubt, ausgebeutet und geplündert wurde, und weil ich zu dieser Klasse gehöre, habe ich den Instinkt, die Ketten zu brechen.« Mary ›Mother‹ Jones, Labor Organizer

 

Dieses Poster zeigt Mary ›Mother‹ Harris Jones (1837-1930), eine prominente Organisatorin von Gewerkschaften und Kommunen, die bei der Koordinierung wichtiger Gewerkschaftsstreiks in den Vereinigten Staaten und bei der Gründung der ›Industriearbeiter der Welt‹ (IWW) mitgewirkt hat. Sie war ab 1871 Mitglied des ›Knight of Labour‹, einem amerikanischen Arbeiterverein, der auch weibliche und schwarze Arbeiter aufnahm und unterstützte, und widmete sich dem Kampf um menschenwürdige Löhne und Arbeitsbedingungen.

 

 ›Boycott Nestlé – For Unethical Promotion and Sale of Infant Formula In The Third World‹,1979

 

Das Poster wurde im Auftrag der INFACT (Infant Formula Action Coalition), die am 4. Juli 1977 einen Boykott gegen Nestlé aussprach, hergestellt.

Die Kritiker klärten in einer Kampagne über die schädlichen Folgen von künstlerischer Babynahrung in Entwicklungsländern auf und richtete sich gegen Nestlé, den wltweit operierenden Schweizer Nahrungsmittelkonzern und Hersteller von Babynahrung.

 

Nestlé wurde vorgeworfen, durch irreführende Werbung Mütter zu veranlassen, ihre Babys mit künstlicher Nahrung zu versorgen, anstatt sie zu stillen. Internationale Hilfsorganisationen hatten herausgefunden, dass vor allem für das Nestlé-Produkt Lactogen bei Müttern in sogn. Entwicklungs Ländern auch dann geworben wurde, wenn sie selbst stillen konnten. Nicht berücksichtigt wurden, gemäß einer Analyse des englischen Journalisten Mike Muller von 1974, das oftmals fehlende Geld, das Wissen um den Umgang mit künstlicher Babynahrung sowie die fehlende Kücheneinrichtung, um eine ungefährliche, hygienische Flaschennahrung zubereiten zu können. Die Kosten für Brennstoffe verhinderten oft eine ausreichende Sterilisierung der Babyflaschen, der Preis des Pulvers führte zu einer übermäßigen Verdünnung. So entstehe eine meist tödliche Kombination aus Diarrhöe, Marasmus und oraler Moniliasis (Pilzbefall).

 

Heute steht Nestlé durch die Kommerzialisiserung von Wasserressourcen in der Kritik: Weltweit werden Nutzungsrechte von staatlichen Wasserbehörden aufgekauft. Der für das Geschäft zuständige Bereich ›Nestlé Waters‹ hat 95 Produktionsstandorte in 34 Ländern. Darunter auch im Süden von Afrika, Pakistan und Äthiopien – In Orten, wo das Wasser ohnehin ein knappes Gut ist.