Raumstadt, 1925

›Wir wollen keine Mauern mehr, keine Kasernierung des Körpers und des Geistes. Wir wollen uns von der Erde loslösen!‹

(F. Kiesler)

 

Kiesler präsentierte 1925 sein Modell für die Stadt der Zukunft ›Raumstadt‹ in der ›Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes‹ des Pariser Grand Palais, wo auch der Schweizer Architekt und Designer Le Corbusier (1887–1965) erstmals seinen städtebaulichen Entwurf ›Plan Voisin‹ zeigte. In einem mit Tüchern abgedunkelten Raum schwebte eine raumfüllende Konstruktion aus großen Flächen und Stäben, um den Eindruck von Schwerelosigkeit in einem unendlichen Raum zu evozieren. Die Konstruktion diente als Trägersystem für die Exponate der österreichischen Theatersektion. Auf horizontalen und vertikalen Ebenen waren Pläne und Szenenentwürfe aufgestellt. Dabei wurde das System nicht wegen seiner Funktion als Ausstellungsgerüst gerühmt, sondern aufgrund seiner Deutung als Modell einer im Raum frei schwebenden Stadt. Das Gerüst aus Stäben und Flächen diente als Modell für eine Stadt, die zwischen riesigen Pfeilern hoch über dem Erdboden schwebt. Er forderte mit seiner Idee viel Luft, Licht und Ruhe und propagierte die Entflechtung von Landschaft, Wohn-, Arbeits- und Verkehrsstruktur. Die Stadt der Zukunft sollte den Naturraum unberührt lassen. Kieser wollte das Fundament überwinden, so heißt es in seinem Manifest: ›Uns vom Erdboden loslösen, Aufgabe der statischen Achse. Keine Mauern, keine Fundamente. Ein Bausystem von Spannungen (tension) im freien Raume.‹

 

Bild: Friedrich Kiesler, Modell zur Raumstadt, Paris, 1925

Friedrich Kiesler, Raumstadt, Paris, 1925