Raumbühne, 1924

›Die Raumbühne des Theaters der Zeit schwebt im Raum. Der Zuschauerraum kreist in schleifenförmigen elektro-motorischen Bewegungen um einen sphärischen Bühnenkern.‹

(F. Kiesler).

 

Kiesler organisierte 1924 die Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik in Wien, wo die Raumbühne, ein Kernstück seines ›Railway-Theaters‹, erprobt wurde. Dort stellte er seinen Entwurf für ein modernes Theater vor: ein neues dynamisches Theater, bei dem die Manege nicht mehr die ›Guck-Guckkastenbühne‹ ist.

Die Raumbühne war eine offene Konstruktion, bei der die Spielflächen übereinander gestaffelt und ineinander verschränkt waren. Eine Rampe führte zu einem spiralförmigen Spielband als Turmabschluss, die über zwei Leitern oder über eine Stiege betreten werden konnte. Zusätzlich gab es einen Lift, der einen beschleunigten Auftritt der Schauspieler ermöglichen sollte. Mit der Raumbühne gelang es Kiesler, die damalige künstlerische Avantgarde um Theo van Doesbourg, Fernand Léger und Tommaso Marinetti auf seine Ideen aufmerksam zu machen. Mit Kieslers Projekt war das herkömmliche Theater überwunden, denn er entwickelte das Guckkastentheater nicht etwa neu, sondern schuf eine neue revolutionäre Theaterform.