Rainer Teßmann

Heike Ruschmeyer: ›Monolog CXXXVI‹. 2000, Collage (Kohle, Kunstharz, Tempera, Öl, Kunstseide, Bauwolle) auf Nessel, 192 x 152 x 4 cm

 

»Das Gemälde des Kindes hat mich augenblicklich berührt, als ich es 2001 in einer Berliner Galerie sah. Dieses Kind, das in seiner Anmut wie in einem Schlaf daliegt, fast friedlich, das man beschützen möchte und das doch so unendlich weit entfernt scheint. Man ahnt, dass etwas ungeheures passiert ist, etwas, das sich nicht mehr umkehren lässt, der Tod. Und dann diese Arbeit von Heike Ruschmeyer: angelegt wie eine große Zeichnung, roh, durchscheinend, fast körperlos und gleichzeitig kraftvoll und entrüstend eindeutig. Vielleicht liegt die Erklärungfür meine besondere Beziehung zu diesem Gemälde in meiner Kindheit. Als mein Vater starb, war ich drei Jahre alt. Sein Tod hat mein Leben und das meiner Familie grundlegend verändert und er begleitet mich bis heute. Ich habe als Kind lange mit meinem toten Vater im Geiste gelebt, mit ihm gesprochen, um ihn geweint, getrauert, gefleht und gehofft, dass er wieder zurückkommen möge. Ich habe das letzte Bild von ihm in meiner Erinnerung lange aufbewahrt, bis es unwiederbringlich verschwand. Heikes Bild zeigt den Tod, die Verletzlichkeit und Hilflosigkeit dieses Kindes und bewahrt mir einen  Teil meiner verlorenen Kindheit.«