Postkolonialismus 

Postkolonialismus beschäftigt sich mit der Geschichte des Kolonialismus und seinen Folgen. Unter dem Begriff wird ein breites Spektrum an kritischen Theorien zusammengefasst, die sich mit historischen wie gegenwertigen Machtverhältnissen auseinandersetzen. Zentrale Anliegen sind Selbst- und Fremdrepräsentationen (Othering), Subjektbildung, Machtrelationen, und Wiederstandskonzepte.

Postkolonialismus entstand als kritischer Diskurs in den Geisteswissenschaften in den frühen 1980er Jahren. Literaturwissenschaftler benutzen den Begriff, um die Auswirkungen des westlichen Kolonialismus auf Kulturen und Gesellschaften zu hinterfragen. Postkoloniale Kritik richtet sich gegen die kulturelle europäische Vorherrschaft und ist bestrebt, den Handlungsspielraum der außereuropäischen Welt zu erweitern.           

Wichtige Denker in diesem Bereich haben sich mit den psychologischen Auswirkungen des Kolonialismus (Fanon), mit der Frage, wie Solidarität zum Zwecke sozialen Handelns trotz Differenzen erzeugt werden kann (Spivak), mit den historisch bevormundenden Repräsentationen des ‚Ostens‘ durch den Westen (Said) und mit der Hybridisierung kultureller Identitäten (Bhabha) beschäftigt. 

Durch ihre Auseinandersetzungen haben sie uns eine Sprache geliefert, mit der wir zeitgenössische Themen wie Migration, Neoimperialismus, Transnationalismus und die Beziehungen zwischen lokalen Kulturen und globalen Kräften ansprechen können. Sie beeinflussen die Art und Weise, wie wir lesen, wie wir Sinn generieren und die politischen Implikationen unserer eigenen Position, Situation und unseres Wissens verstehen.   

Es ist wichtig zu erkennen, dass sich der Postkolonialismus nicht nur auf die Zeit nach der Unabhängigkeit bezieht. Das grundlegende Argument ist, dass postkoloniale Gesellschaften immer noch neokolonialen Kontrolle unterliegen. Der Kolonialismus mag auf dem Papier zu Ende sein, existiert aber unter anderen Namen weiter.

Daher kann postkoloniale Kritik als eine kontinuierliche Methode des Widerstands definiert werden, indem man die Vergangenheit untersucht, den gegenwärtigen Zustand analysiert und sich eine Zukunft vorstellt, die noch kommen wird. Die kritische Beurteilung der Ursprünge der postkolonialen Theorie bleibt unerlässlich, um die Relevanz dieser Diskurse für das zeitgenössische Denken und die Politik zu verstehen.  

 

Referenzen 
Bhabha, Homi. Of Mimicry and Man: The Ambivalence of Colonial Discourse.”  October, vol. 28, 1984
Said, Edward W. Orientalism. New York: Pantheon Books, 1978.
Spivak, Gayatri C. In Other Worlds: Essays in Cultural Politics. , 1988. 

 

Bild: Buchdeckel des Buchs: ›Black Skin, White Masks‹, Frantz Fanon, 1967 (Penguin Modern Classics)