Peter Lütje

Peter Lütje: ›Goodbye Yellow Brick Road‹, 2018, Plakate, Plakatierwerkzeug, Baustrahler

›Goodbye Yellow Brick Road‹ (englisch: Auf Wiedersehen, gelber Ziegelsteinweg)

Der Titel der Arbeit von Peter Lütje zitiert den Song und Titel des gleichnamigen Albums von Elton John. Die gelbe Backsteinstraße führt im Musical ›Der Zauberer von Oz‹ in die Smaragdenstadt. Das Plakat zeigt die literarische Figur Scheuch, einem der Protagonisten des Kinderbuches ›Der Zauberer der Smaragdenstadt‹ von Alexander Wolkow (1891-1977), als Illustration von Leonid Wladimirski von 1959. Die Erzählung erschien erstmals 1939 in der Sowjetunion, es handelt sich um eine Nacherzählung von Lyman Frank Baums (USA, 1856 -1919) Kinderbuch ›Der Zauberer von Oz‹ aus dem Jahr 1900.

Scheuch ist zu Beginn der Geschichte eine einfache Vogelscheuche aus Stroh, ein sprichwörtlicher ›Strohkopf‹. Gemeinsam mit dem Mädchen Elli, einem feigen Löwen und einem Blechmann, dem das Herz fehlt, begibt er sich auf den Weg zur Smaragdenstadt. Scheuchs größter Wunsch ist Verstand, der ihm vom Herrscher der Smaragdenstadt dem Zauberer Godwin verliehen werden soll. Die Erzählungen ›Der Zauberer von Oz‹ wie ›Das Smaragdenland‹ wurden in den Ländern ihres Erscheinens und den jeweils verbündete Nationen große Erfolge. Die Geschichte und Figuren gehörten lange zum Fundus des kollektiven Gedächtnisses. In beiden Büchern entdecken die Leser, dass die Helden, eine Strohpuppe, die klug sein möchte, ein Blechmann, der zu fühlen wünscht und der feige Löwe, der mutig sein will, die Fähigkeiten, die sie sich so sehr wünschen in den gemeinsamen Abenteuern bereits entwickeln. Die Fähigkeit, Verstand, Mitgefühl und Mut zu erwerben, ist demnach Ergebnis der eigenen Handlungen. Der listige Zauberer entpuppt sich in beiden Büchern dagegen als Betrüger.

›Good Bye Yellow Brick Road‹ verknüpft Motive aus der Populärkultur um den Abschied des Glaubens an heilsversprechenden Weltanschauungen, den Ideologien des 20.Jahrhunderts ein Gesicht zu geben. Peter Lütjes Plakatierwerkzeug ermöglicht es auch an unzugänglichen Stellen Plakate anzubringen.

 

Peter Lütje (*1968) studierte zunächst Linguistik, Kunstgeschichte und Philosophie, 1994 wechselte er an die Frankfurter Städelschule. Mit anderen betrieb er den off Ausstellungsraum ›rraum‹. Seit 2009 organisiert er das Projekt ›kküche‹ und seit 2013 ›Philosophie‹ in der Kunsthalle im Kunstverein Lingen. Im zwei- und dreidimensionalen Werk von Peter Lütje geht es immer wieder um subtile Irritationen. Er verfremdet vertraute Bilder, Codes und Wahrnehmungsmuster durch den Einsatz von künstlerischen Mitteln. Ausstellungen u.a.: Westwerk, Hamburg (2008), Overbeck–Gesellschaft, Kunstverein Lübeck (2009), Instants Chavirés, Paris (2010), Kunsthalle Lingen (2010). Reisestipendium der Hessischen Kulturstiftung (2005/06).