›One Wall a Web‹

Fotobuch ›One Wall a Web‹

 

Das Foto auf dem Cover von ›One Wall a Web‹ ist eine Nahaufnahme einer Mauer, die eine Grenze zu errichten scheint. Das Buch von Stanley Wolukau-Wanambwa stellt sich als Einladung heraus, die Mauer Ziegel für Ziegel zu dekonstruieren. Er lädt uns ein, den physischen und mentalen Abbau von rassistischer und geschlechtsspezifischer Gewalt zu beobachten, wie er in der heutigen amerikanischen Gesellschaft zum Ausdruck kommt und erlebt wird. Angetrieben von dem Impuls des Autors, diese Mauer einzureißen, blättert man durch die Seiten und landet, sobald am Ende des Buchs gelangt, vor zwei verlassenen Steinen. Das Vorgehen in Wolukau-Wanambwas Buch kann man durch das Prisma der Scrapbooking-Tradition betrachten.

Der Bildband besteht aus mehreren narrativen Schichten, die Geschichte wird sowohl durch das fotografische Bild als auch durch den Text erzählt. Der Leser ist in die Gedanken und den Geisteszustand von Stanley Wolukau-Wanambwa eingeladen. Reflexionen, Urteile, Positionen, Beobachtungen, Spekulationen und Vorstellungen bilden einen komplexen Bewusstseinsstrom. Die Erzählung wird mit assoziativen Sprüngen und Analogien konstruiert. Verschiedene Kapitel unterbrechen die Arbeit, aber nicht den Fluss von Nachhall und Resonanzen. Ein solches Nebeneinander von Bild- und Textsequenzen erinnert an den Rhythmus der Filme des amerikanischen Filmemachers Arthur Jafa und insbesondere an sein Video ›APEX‹.

Gekonnt orchestriert Wolukau-Wanambwa ein Hin und Her zwischen Zitaten der faschistischen Website breitbart.com, Auszügen aus Allen Ginsbergs Gedichten ›Howl‹ and ›America‹, Zitaten aus einem Interview mit Donald Trump, das in der ›New York Times‹ veröffentlicht wurde, und Strophen aus ›Breaking Open‹ und ›The Speed ​​of Darkness‹ von der Dichterin Muriel Rukeyser. Diese Autoren werden vom Fotografen zusammen mit den selbstgemachten und angeeigneten Fotografien als Netzwerk von Kollaborateuren mobilisiert und beziehen sich auf die Rhizom-Theorie von Gilles Deleuze und Félix Guattari. Wenn Texte und Bilder auf die gleiche Ebene gebracht werden, wird das Buch zu einem evolutionären Mittel, das sich in alle Richtungen erstrecken kann, ohne an irgendwelche Hierarchien gebunden zu sein. Dieses Denkmodel widerspricht der Linie der Unterordnung, die in der Geschichte des strukturellen Rassismus und Sexismus in den Vereinigten Staaten verwurzelt ist. Linearität und Kontinuum werden zugunsten der fragmentarischen Kraft verworfen.

 

 

Quelle: http://www.1000wordsmag.com/stanley-wolukau-wanambwa/

Foto: Stanley Wolukau-Wanambwa: ›One Wall a Web‹, 2018

Bildquelle: https://www.orderromapublications.org/publications/one-wall-a-web/213294&page=