Nina und Dr. Ansgar Komp

Joseph Beuys, ›Heidelberg‹, 1970

»Wie passt Beuys zu Heidelberg und zu uns? Als gebürtige Münsteraner sind wir mit den Skulpturprojekten aufgewachsen, und natürlich auch mit Joseph Beuys, der dort mit seinem ›Unschlitt/Tallow‹ Fettkeil in unserem Geburtsjahr 1977 dabei war. (www. skulptur-projekte archiv.de/de-de/1977/projects/82/) In der Familie und im aktiv an der technischen Umsetzung beteiligten Freundeskreis wurde seine Person, seine Kunst sowie die Machbarkeit der realen Umsetzung diskutiert. Besonders seine bevorzugten Materialien und die dichten Installationen faszinieren uns bis heute, seine Vorliebe für Filz teilen wir.

Als zunehmend Kunstbegeisterte begegnete Joseph Beuys uns in Stationen immer wieder – in Münster, Berlin, Kassel, München, Frankfurt, und eben auch in Heidelberg. Vor einigen Jahren wurde im HDKV eine kleine Performance in Anlehnung an die 7000 Eichen aus Kassel wiederholt (www.hdkv.de/leseraum/7000-eichen-stadtverwaldung- statt-stadtverwaltung/). Und bei der aktuellen Ausstellung act up! Ist er ebenfalls mit einem politischen Plakat vertreten – er bleibt weiterhin sichtbar.

Nun sind wir seit einigen Jahren in Heidelberg und fühlen uns mehr und mehr als Heidelberger, ohne die früheren Stationen zu vergessen. Daher haben wir uns über ein verbindendes Geschenk unserer Heidelberger Freunde sehr gefreut: ›Heidelberg‹ von Joseph Beuys! Er hat hier die Form einer Postkarte gewählt, die den bei vielen Touristen (und uns ebenfalls) sehr beliebten Blick vom Neckarufer über die Alte Brücke zum Schloss bei Nacht zeigt. Er proklamiert diesen freien Blick als seinen, indem er die Postkarte (als Serie) mit einem Fluxusstempel und seiner Unterschrift versieht – auf der Bildseite!

Für uns kann das Werk auch als Brücke zur Gegenwart verstanden werden: die Vielzahl von immer ähnlichen Handyfotos als Selbstportrait mit Sehenswürdigkeit im Hintergrund nimmt Joseph Beuys im Sinne der Ich-Zentrierung vieler Postings in Social Media vorweg. Die kommerzielle Konnotation drängt parallel zu heutigen Youtube-Stars und erfolgreichen Influencern auf.

Bleibt die spannende Frage: wo würde Beuys sich heute bewegen – in der Kunst, in der Politik, in den Medien, in Heidelberg?«

Postkarte, 30 x 30 cm