Nadira Husain

Nadira Husain beschreibt sich selbst und ihre malerische Praxis als ›bâtarde‹ (französisch, weibliche Form von Bastard), womit sie auf die hybriden kulturellen Referenzen anspielt, die, außerhalb der visuellen Gewohnheiten des eurozentrischen Kulturraums liegen. Die Künstlerin erlebte seit ihrer Kindheit eine zersplitterte Wahrnehmung von Identität, die mit der Migrationserfahrung ihres Vaters verbunden ist.

Ihre großformatigen Bilder und textilen Objekte greifen auf verschiedene Traditionen zurück und schaffen so ein assoziatives Miteinander verschiedener ikonischer Symbole und Figuren aus der indischen, europäischen und islamischen Kunst- und Kulturgeschichte diverser Zeitepochen. So treffen in ihren Bildern der Mogul-Miniaturen auf indische Gottheiten und Figuren einer globalisierten Pop-Kultur. Hybride Körper greifen ineinander, generieren Muster und formieren sich zu anthropomorphen oder tierischen Gestalten.

So greift Husain auf traditionelle indische Handwerkskunst wie Kalamkari oder auch die in Südostasien verbreite Webtechnik Ikat zurück oder kooperiert mit dem Schneider Mohebullah Nouri für den Entwurf einer ihrer textilen Serie aus Jeansstoff. Die Koexistenz der verschiedenen Kreaturen, Stile, aber auch Akteure und Techniken dekonstruiert die Ordnung moderner westlich geprägter Zeichen- und Machtsystem. Die Künstlerin etabliert auf diese Weise eine hierarchielose Polyfonie verschiedener Einflüsse, durch die neue Bedeutungsmuster abseits der normativen Bildsprache entstehen.

 

Nadira Husain (*1980 in Paris) lebt und arbeitet in Berlin, Paris und Hyderabad. Sie studierte an der Ecole nationale supérieure des beaux-arts Paris und an der University of British Columbia in Vancouver. Seit 2017 ist sie Mentorin der *foundationClass der Weissensee Kunsthochschule in Berlin. Husains Werke wurden international in Einzelausstellungen, u.a. in der Galerie Tobias Nähring in Leipzig (2019), in der Villa du parc centre d’art contemporain Annemasse (2018), Armory Show New York (2018) und PSM Gallery Berlin (2018), sowie in Gruppenausstellungen, u.a. im Haus am Lützowplatz (2019), im n.b.k. (2018), der Skulpturen-Triennale Bingen (2017), im Jewish Museum New York (2014) und im KW Institute for Contemporary Art (2013) gezeigt.

 

Bild:

Nadira Husain: ›Somewhere Between Love and Fighting, silber‹, 2020, Aquarell und Acryl auf Leinwand und Textil, © Nadira Husain und Tobias Naehring