Nadine Hahn

Daniela Kneip Velescu, ›Toasted #2+1.3‹, 2019

Im Herbst letzten Jahres habe ich gemeinsam mit der Künstlerin Daniela Kneip Velescu gearbeitet. Sie wurde durch das Stipendium im Kunstverein Bellevue-Saal in Wiesbaden gefördert und ich durfte die Eröffnungsrede halten und den Text für das Faltblatt schreiben. Ich bin seit einigen Jahren mit ihr befreundet, schätze ihre Arbeit sehr und freue mich immer, sie in ihrem Atelier zu besuchen und eine der ersten zu sein, denen sie eine neue Arbeit zeigt oder eine Idee vorstellt. Bei der Textarbeit für die Stipendiatenausstellung durfte ich auf ganz professionelle Weise in ihre Vorgehensweise eintauchen. Sie mag Kippmomente. Die Leichtigkeit des bunten Materials bietet einen einfachen Einstieg in ihre Arbeit – mit Witz und Knall. ›Toasted #2+1.3‹ ist Werk einer Serie, bei der ihr Schwammtücher als künstlerisches Material dienen. Trotz eingetrockneter Form weiß jede*r um die mit Nässe leicht zu zerstörende Stabilität der Haushaltsutensilien. Demnach ist die Glocke ein wichtiger Bestandteil der Arbeit; doch sie schützt nicht nur das Kunstwerk vor Feuchtigkeit, sondern auch den Betrachtenden: Nach einer direkten farbenfrohen Ansprache stellt sich ein Gefühl des Unbehagens ein. Hinter den verschmorten Spuren und Verletzungen eines buchstäblichen Toastens steht ein brutaler Gewaltakt, dessen heftiger Zwang sich in den verzerrten Mündern ausdrückt. Die Glocke bietet meinem gefesselten Blick eine sichere Distanz. Doch starren die Lappen nicht vielmehr mich mit ihren augenlosen Fratzen an? Wer frisst hier eigentlich wen?

Schwammtücher, Acryl, Glas, Holz, 27 x 15 x 15 cm