Mut zur Wut

Plakatwettbewerb und Ausstellung, Heidelberg

Jedes Jahr im Hochsommer macht ›Mut zur Wut‹ den öffentlichen Raum in Heidelberg zum Schauplatz einer besonderen Ausstellung. Auf Plakatflächen, die sonst überwiegend der Bewerbung von Konsumgütern und Veranstaltungen vorbehalten sind, sind für ein paar Wochen die Gewinnermotive des Plakatwettbewerbs zu sehen.

 

›Mut zur Wut‹ wurde 2010 von dem Grafik- und Plakat-Designer Götz Gramlich (gggrafik) und dem Plakatierter Marcello Lucas (Plak ’n Play) in Heidelberg gegründet und richtet sich an Grafiker*innen und Künstler*innen auf der ganzen Welt. Die Themenwahl für das Motiv ist frei. Gemäß dem Titel sollte das Plakat einen kritischen, sozialen, politischen und/oder persönlichen Inhalt haben, der in einem aussagekräftigen Motiv dargestellt ist. Gewalt, Klimawandel, Umweltzerstörung, soziale Ungerechtigkeit, Identitätskonzepte, Geschlechterkonzepte und Personen des öffentlichen Lebens, vor allem Politiker, sind häufig wiederkehrende Motive. Eine jährlich neu besetzte internationale Jury wählt aus über 3000 Einsendungen, aus über 50 Ländern die 30 besten Poster aus. Diese werden an vielbefahrenen Straßen und hoch frequentierten Plätzen in mehreren Wellen plakatiert und im Justizgebäude Heidelberg ausgestellt. Danach tournieren die Gewinnerplakate auch durch andere Städte wie Mannheim, Berlin, München, Gießen, Luzern (Schweiz), Perugia (Italien), Oaxaca (Mexiko) und Kuethaya (Türkei) und wurden zuletzt auch in London gezeigt.

 

Der Wettbewerb knüpft an die Tradition des politischen, kritischen Plakats an, wie sie u.a. auch der Schirmherr Klaus Staeck, Heidelberger Plakatkünstler und Designer, repräsentiert. Neben dem Aspekt der Kritik und der Ausübung des Grundrechts auf freie

Meinungsäußerung, ein Recht das in vielen Heimatländern von internationalen

Teilnehmer*innen durch Zensur beschnitten wird, protestiert ›Mut zur Wut‹ gegen die

zunehmende Gestaltung des öffentlichen Raumes durch kommerzielle Interessen.

Temporär erobert die Plakatausstellung besonders prominente und stark frequentierte

(visuell geprägte) Orte in der Stadt zurück und schafft eine Sichtbarkeit für und einen Anreiz zur Auseinandersetzung mit globalen Problematiken, die sich oft erst nach mehrmaligem Hinschauen entschlüsseln lassen.