Martha Müller

Paul* M. Kästner, ›SESE‹, 1999

Es funktioniert Da geht er. Mit weitausgreifenden Schritten spaziert er über den elastischen Waldboden. Die rotbraunen Dächer unten kriechen unter seinen Ellenbogen weg. Ein Züglein pfeift vom fransigen Eingang zum Tunnel. Das ist Herr Paul. Er hat es eilig, nichts und niemand kann ihn aufhalten. Das Atelier wird in Bälde aufgesperrt. Rot und Blau blitzt es auf, unten an den Hosenbeinen. Geknalle beim Aufziehen, die Leinwand wartet, grundiert, fein und weiß. Die Ideen, sie halten Herrn Paul auf Trab. Seine schwarze Mütze hüpft hin und her. Bildern von Menschen wachsen aus hellen Quadraten, Leute, die er kannte oder gerne gekannt hätte, die lange vor ihm ein- und ausatmeten. Schriftreihen dazu, auf und ab, auf und ab, Pünktchen drauf. So geht sein Arm, die Hand springt wie losgelöst. Die Nachbarin sieht die Bewegungen im Fensterkreuz, die Wechsel von Hell zum Dunkel. Das Blau und das Gelb leuchten ihr zu. Bei Rot schaut sie zur Seite. Dann Pause. Ein warmes Bier. Von oben kommt ein Luftzug, Terpentinfahnen. Die Wäsche auf dem Dach fächelt sich auf. Herr Paul geht nach Hause. Seine verschiedenen Tätigkeiten sind noch nicht beendet, er ist unterwegs, der Fisch, das Brot liegen am Wegesband. Mit Material jeder Art ist er auf Du und Du, nach der Werkstatt die Küche. Herr Paul steht am Hackblock, schneidet, schmort, schüttelt, auch hier ein Alchemist, oft im Geheimen froh. Da steht er.