Markus Weisbeck

Markus Weisbeck & Michael Dreher: ›Sylt‹, Handtuch, Moeve 2000

 

Das Frotteehandtuch ›Sylt‹ ziert ein roter Stern der Schriftzug Sylt und der Umriss der Nordseeinsel, wie er als beliebter Autoaufkleber in den 1980und 1990 Jahren in Deutschland in Umlauf war. Was in Form eines Werbeartikels der Tourismusbranche daherkommt, ist ein provokantes Zeichenspiel: Dreher und Weisbeck beziehen sich auf das Emblem der linksextremistischen terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (1970-1998). Es bestand aus dem fünfzackigen roten Stern als Zeichen für Sozialismus / Kommunismus, aber auch Arbeiterbewegung, u.ä. sowie der Umrisszeichnung des Maschinengewehr MP 5 der Marke Heckler Koch, die u.a. bei der deutschen Polizei in Gebrauch war, als Zeichen für den bewaffneten Kampf, sowie dem Kürzel RAF. Weisbeck und Dreher setzen eine als ›Cultural Jamming‹ bekannte Methode ein, um politische Zeichen und einen feststehenden Zeichenapparat zu destabilisieren. Beim Culture Jamming werden Strategien und Formen, aber auch konkrete Beispiele aus der herkömmlichen Produktwerbung übernommen, karikiert und teils ins Absurde geführt. Es werden aber auch bewusst Inhalte mit einbezogen, die in der eigentlichen Werbung nicht vorkommen oder sogar von ihr überdeckt werden sollen. So entstehen vermeintliche Werbespots und Plakate, die die Sprache der Werbeindustrie perfekt beherrschen, ihre Semantik jedoch komplett umkehren. Diese Taktik im Umgang mit politisch hochbedeutsamen Zeichen hat Tradition, und gewinnt mit der Feststellung, das die fortgeschrittenen Konsumkultur stark auf Logos fixiert ist, zunehmend an Bedeutung.

 

Markus Weisbeck (*1965) ist Grafikdesigner und Professor an der Bauhaus-Universität Weimar. Er studierte Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung Offenbach und gründete 1999 das Grafikstudio Surface Gesellschaft für Gestaltung mbH. Seit 2012 ist er Mitglied des AGI Alliance Graphique Internationale.

Weisbeck gestaltete das Corporate Design für u.a.: Biennale di Venezia, Italien (2007, 2009); Staatsoper Stuttgart (2011); Gwangju Folly II, Korea (2012); Museum für moderne Kunst, Frankfurt (2014). Ausstellungen u.a.: Musée de la Poste, Paris (1997), Foto Biennale Rotterdam, Niederlande (2002), Whitney Biennale, New York (2006), The Office Gallery, Frankfurt (2011), Museum Angewandte Kunst, Frankfurt a.M. (2016), House oft the Artist, Teheran (2017).

 

Michael Dreher ist ein Designer aus Frankfurt am Main und arbeitet an der Schnittstelle von Innenarchitektur und Produktdesign.