Mario Urlaß

Bea Emsbach, ›ohne Titel‹, 2002

»Den Werken von Bea Emsbach begegnete ich erstmals 2001 in einer Ausstellung im Institut für moderne Kunst Nürnberg. Unter dem Titel ›Die Anthropologin zuhause‹ präsentierte die Künstlerin Bildwelten, die um die Zukunft des Körpers kreisen. Die Zeichnungen, gänzlich mit roter Füllertinte ausgeführt, haben mich berührt. Einmal faszinierte mich die bizarre und subtile Komik der Erfindung von Wirklichkeit, die menschliche Wesen in merkwürdige Handlungen involviert. Zugleich stießen die Werke das Nachdenken über aktuelle Tendenzen in der naturwissenschaftlichen Lebensforschung an. Die Menschwesen der Künstlerin scheinen sich permanent aus- und umzubilden, führen eine Vorstellung von Existenz vor, die zwischen Technoidem und Organischem pendelt. Mit ihrer Vernetzung, Verschiebung, Verwicklung und Verwirrung sind es Wesen, die in ihrer Lebendigkeit in gleichem Maße erfunden und real sein können. So auch in Bea Emsbach Werk, das ich erst vor wenigen Jahren erworben habe. Die Zeichnung führt für mich eine Art distanzierte Vereinigung von Zwillingen oder Klonen vor. Die Verbindung zwischen den ›siamesischen Zwillingen‹ zu kappen, würde das Ende der Lebensenergie des einen oder anderen bedeuten. Was trennt oder verbindet sie? Wird hier eine Katastrophe oder gar ein wünschenswerter Zustand vorgeführt? Denken sie identisch? Ist es ein Sturz ins Bodenlose oder der Zustand vollkommener Erhabenheit?«

Rote Tinte auf Papier, 44 x 31 cm