Luba Lukova

Luba Lukova

 ›Sudan‹, 1999
Lukova nutz eine vereinfachtes, nach dem Vorbild afrikanischer Masken gestaltetes Gesicht in das sie einen zum Schrei aufgerissenen Mund einfügt. Nicht erst Edward Munch verwandte diesen Gesichtsausdruck für sein bekanntes Bild ›Der Schrei‹. Unter der Bezeichnung ›anima damnata‹ (lat. der verlorene/ verdammte Seele) wurde bereits im Barock der weitgeöffnete Mund als visuelle Entsprechung der Verzweiflung bekannt. Lukova setzt in den aufgerissenen Mund den Ausschnitt einer Nährwerttabelle, wie sie bei Lebensmittelkennzeichnungen mittlerweile Pflicht ist. Alle Angaben werden mit 0% verzeichnet. Die expressive Gestaltung des Gesichts wird mit der nüchternen Tabelle kontrastiert und im Motiv des Kopfes zusammengeführt. Der Untertitel Sudan ist der einzige Hinweis auf einen konkreten Anlass. Ein Aufruf zur Hilfe fehlt, es handelt sich um ein Bild das die Ungerechtigkeit anklagt aber auf Parolen verzichtet. Das Plakat entstand als Kampagne einer NGO vor dem Hintergrund der durch Dürre und des zweiten Bürgerkriegs im Sudan (1983 – 2005) ausgelösten Hungerkatastrophe. 1998 erreichte die Sterblichkeit im Südsudan ihren Höhepunkt. Daraufhin stellte die UN in einem bis dato unbekannten Maß Lebensmittel bereit. Eine Einigung der Bürgerkriegsparteien wurde jedoch durch das Veto der USA 1999 verhindert (M. Lüders: Hunger als Waffe, 24.6. 1999, Die Zeit).

 

 ›Eco Crime‹, 1999

(engl. Umweltverbrechen) Lukova nutz auch hier eine am Holzschnitt der europäischen und afrikanischen Volkskunst orientierte Bildsprache. Sie verwendet eine antik anmutende Keilschrift, die nicht als mittig als Slogan sondern seitlich als Inschrift angebracht ist. Lukova entwirft ein Fabelwesen, das sich selbst verletzt: Ein Baum, mit einem als afrikanische Maske geformten Kopf und Armen, die als Äste aus den Seiten wachsen, fällt sich selbst.
Lukova aktualisiert bildliche Vorlagen aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen zu einer neuen visuellen politisches Aussage: zum einen macht sie auf die selbstzerstörerischen Kräfte des Menschen im Umgang mit der Natur aufmerksam, weist aber auch auf die Regionen hin, die weltweit am meisten unter den ökologischen Verbrechen zu leiden haben.

 

Beide Poster im Auftrag des International Anti Law Centre New York.

 

Luba Lukova (*1960, Plowdiw, Bulgarien) ist eine US-amerikanische Grafikdesignerin und Künstlerin. Sie studierte an der National Academy of Fine Arts in Sofia. 1991 gründete sie ihr eigenes Design-Studio in New York. Sie arbeitete unter anderem für die New York Times, das Wall Street Journal und Sony Music. 2008 veröffentlichte sie das ›Social Justice Portfolio‹ mit zwölf Postermotiven zu Themen wie Frieden, Zensur, Einwanderung, Ökologie, Hunger und Korruption. Plakate wurde u.a. im Rahmen der Amtseinführung von Präsident Barak Obama in Washington DC ausgestellt.