Klaus Lothholz

William Hogarth, ›Gin Lane‹ und ›Beer Street‹, 1751

»William Hogarth gilt als Begründer der Karikatur in England. Mit seinen Kupferstichen (Marriage à la mode, The Rake’s Progress, Die Wahlen), die sich an seinen Ölgemälden orientierten und für wenig Geld verkauft wurden, griff er gesellschaftliche Missstände an und versuchte wohl auch Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen.

Gin Lane zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die sich dem Alkoholmissbrauch hingegeben hat. Die (selbst)zerstörerische Energie der Drogenabhängigkeit wird

überdeutlich dem Betrachter vor Augen gestellt. Alle Beteiligten mit Ausnahme des Pfandleihers, dem buchstäblich das letzte Hemd angeboten wird, um sich dem Rausch hingeben zu können, werden durch diesen Verlust an Selbst-kontrolle ihrer Humanität beraubt.

Eher ungewöhnlich ist das Gegenbild Beer Street, in dem Hogarth keine Sozialkritik übt, sondern im Gegenteil ein Loblied auf den Konsum des Gerstensafts singt, dem heutige Betrachter*innen wohl nicht mehr so ganz vorurteilsfrei zustimmen würden. Zufrieden und voller Tatkraft werden die Aufgaben angegangen und Wohlstand für alle zeichnet sich ab.

Politisch engagierte Künstler der Gegenwart wie Klaus Staeck und Alfred Hrdlicka können in William Hogarth ihren Vorläufer sehen.«

Kupferstich, 65,5 x 54,5 cm