Karyatide

Eine Karyatide ist eine Skulptur in Form einer weiblichen Figur, die eine Säule in einer architektonischen Konstruktion ersetzt. Die berühmtesten Karyatiden stützen den Vorbau des Erechtheions, eines Tempels auf der Akropolis. Dieses Motiv ist aber durch verschiedene Epochen hindurch auf der ganzen Welt zu finden.

Der römische Architekt Vitruv kommentierte den Ursprung dieses Wortes: Die Frauenfiguren des Erechtheion-Tempels sollten der Niederlage der Einwohner von Caryae während der griechisch-persischen Kriegen gedenken. Die tragende Funktion dieser skulptierten Figuren könnte ein visueller Ausdruck der Versklavung sein. Der Ursprung der Karyatiden ist jedoch nicht ausschließlich griechisch. Solche Figuren, die vor der Zeit des Vorbau des Erechtheions stammen, wurden auch in Westasien gefunden.

Dieses Motiv taucht in mehreren Kulturen auf. Luba-Kunst, die geographisch aus der heute südlich-zentralen Region der Demokratischen Republik Kongo stammt, enthält auch skulptierte Karyatiden-Hocker. Die Figuren sind eine symbolische Darstellung von Macht und deren Fortbestand. Die Hocker dienen zur Erinnerung an verstorbene Könige.

Das weibliche Motiv, das eine Struktur trägt, findet sich auch in der Gestaltung der Wallace-Brunnen in Paris wieder. Diese öffentlichen Trinkbrunnen sind große gusseiserne Skulpturen. Die vier Karyatiden der Brunnen repräsentieren Güte, Einfachheit, Wohltätigkeit und Nüchternheit.

 

Bilder:

oben: Karyatiden des Erechtheion, Akropolis, Athen, 421-406 v. Chr., Jebulon, 2015, ©Jebulon

unten rechts: Fontaine Wallace, Montmartre, Paris, David Monniaux, 2006, ©David Monniaux

unten links: Luba-Stuhl: Weibliche Karyatidin, Luba-Völker, Shankadi-Gruppe, 19. Jahrhundert