Karrabing Film Collective: The Mermaids, or Aiden in Wonderland

Der futuristische Film ›The Mermaids, or Aiden in Wonderland‹ (2018) präsentiert uns ein dystopisches Szenario, in dem das australische Land als Folge der Verwüstungen des Kapitalismus tot und unfruchtbar erscheint und die europäischen Siedler nicht mehr in der Lage sind, im Freien zu überleben. Der Protagonist ist ein junger Ureinwohner, Aidan, der als Baby seiner Familie entrissen wurde, um einem medizinischen Experiment zur Rettung der weißen Bevölkerung zu dienen. Nach seiner Freilassung wandert er in Begleitung seines Vaters und seines Bruders durch die Landschaft seiner Vorfahren; hier wird er mit zwei möglichen Versionen der Zukunft und der Vergangenheit konfrontiert.

Der Film nimmt aus der Perspektive der australischen Ureinwohner Stellung zu aktuellen Debatten über die Auswirkungen des Klimawandels und Kapitalismus und erinnert an die Menschenrechtsverletzung durch die australischen Regierung in Bezug auf die Gestohlene Generationen (Stolen Generation) – bis 1970 wurden indigene Kinder ihren Familien zur Umerziehung entzogen.

Das Karrabing Film Collective ist ein Kollektiv von etwa dreißig Filmemacher*innen und Künstler*innen, das sich in Reaktion auf Angriffe des australischen Staates auf soziale und territoriale Strukturen der indigenen Bevölkerung gegründet hat. Die meisten Mitglieder gehören den indigenen Gemeinschaften der Nordwestküste an und leben in der Belyua–Gemeinschaft in den Northern Territories. In der Sprache der Emmiyengalen bedeutet das Wort ›Karrabing‹ ›Ebbe‹: In Anspielung auf das zyklische Steigen und Sinken des Meeres beschwört der Name das kollektive Handeln der Gruppe herauf und erinnert gleichzeitig an die traditionellen Bindungen zwischen ihren Mitgliedern und der australischen Meereslandschaft. Ihre Filme basieren auf Szenen des Alltagslebens, die lang anhaltende Auswirkungen der kolonialen Gewalt wie z.B. Umweltzerstörung, Landbeschränkungen und soziale Unterdrückung offenlegen. Indem das Kollektiv die ästhetische Praxis als Mittel zur Selbstorganisation und sozialen Analyse einsetzt, entwickelt es eine lokale künstlerische Sprache, um der Öffentlichkeit neue Formen des kollektiven indigenen Widerstands zu eröffnen.