Karin Kopka-Musch

Hyun Gyoung Kim, ›Ohne Titel‹, 2009

»Diese kleine Arbeit ist zu mir gekommen. Ich habe sie mir gekauft. Sofern ein Objekt vorhanden ist, ist das der direkteste Weg der Kunstförderung.

Die Zeichnung hing so ganz stille da zwischen den Dingen, die ich fast täglich in ihrem Werden und Entstehen sah. Mich sprach sie so an. ›Stückwerk‹, dachte ich. Stufenleiter. Vorankommen. Auf- oder Abstieg oder Innehalten. Verharren. Verhalten. Wie denn? Sich selbst mitnehmen. Hand und Fuß und Kopf. Leichte Schräglage und Unverortetheit. Prekär. Achtung. Sich selbst nicht die Sicht verstellen. Schwerpunktmäßig kopflastig und selbiger wie ein Luftballon mit Schießscharten.

Hier in der jetzigen Wohnung hängt die Zeichnung neben unserer Wendeltreppe sehr seltsam platziert an der Wand.

Hyun Gyoung Kim und ich sahen uns in den Jahren 2008 bis 2012 fast täglich. Hyun Gyoung Kim gehört zu den sehr still und stetig arbeitenden Künstlerinnen. Sie hat eine Tochter, die wenig älter ist als meine Große. Unsere drei Kinder gingen auch zusammen in die Kita. Außerdem hatte ich einen Hund. Der machte Hyun Gyoung Kim, die sehr viele Tierplastiken geschaffen hat, immer etwas Angst. Sie hat trotzdem manchmal auf ihn geachtet. Hyun Gyoung Kim hatte einmal das Atelier-vor-Ort-Stipendium des Frauenkulturbüros NRW, welches ich als wichtige Institution und für sein kluges Förderprogramm schätze. Auch Johanna Reich kuratierte mal im Förderverein Aktuelle Kunst (FAK) Münster e. V., und auch sie hatte dieses Stipendium. Just stellte sie zusammen mit Ulrike Rosenbach in Düsseldorf aus. Künstlerinnenexistenzen.

Der FAK Münster ist eine Kernzelle. Die erste Institution, in die ich hinzukam und sehr viel änderte und anregte und mich erst unbeliebt und dann gewertschätzt machte. Bis heute ist alles miteinander verbunden. Trotz Stückwerk. Gertrud Neuhaus beispielsweise ist ebenfalls Atelierinhaberin im FAK Münster e. V. Sie wiederum war Gast bei ›Grün in Heidelberg‹, der ersten Ausstellung des KON.NEX ART e. V. Heidelberg im Jahr 2016. Das war der erste Kraftakt in Heidelberg mit, ich denke, blühendem Ergebnis und tollen Begegnungen.

Hyun Gyoung Kim hat auch schon in der UP ART Galerie in Neustadt ausgestellt, zusammen mit Dorthe Goeden. Dorthe Goeden hat mein Atelier im FAK Münster e. V. bezogen, nachdem ich auszog, um innerhalb Münsters ein Atelierstipendium im Speicher 2 an Münsters Hafen wahrzunehmen. Die Dinge hängen noch weiter miteinander zusammen, auch wenn sie ganz unverbunden sind und jede wieder andere Kreise zieht. Miriam Jonas fällt mir noch ein: Auch sie hat mal im FAK kuratiert. Als mich der Kunstverein Greven 2017 zu einer Ausstellung lud, war sie die Künstlerin, die vor mir dort ausstellte. Alle vier, Hyun Gyoung Kim, Gertrud Neuhaus, Dorthe Goeden und Miriam Jonas, stellen aktuell zusammen in Berlin in Räumen des Deutschen Künstlerbunds unter dem Titel ›Vorwand‹ aus. Und für Künstler*innen des KON.NEX ART e. V. Heidelberg geht es alsbald nach Bautzen ins Museum. Cholud Kassem und Marius Ohl sind hieran beteiligt: Sie wiederum waren auch bei ›Grün‹ dabei. Auch Eyal Pinkas stellt in diesem Sommer mit im Museum Bautzen aus. Er wiederum hat, wie auch Hyun Gyoung Kim, bereits in der UP ART Galerie Neustadt ausgestellt. Stückwerk. Jeder Teil für sich – und doch irgendwie alles zusammen. Autonomie und Zusammenhang. Nur nicht seine eigenen Einzelteile in Unverbundenheit setzen: sich nicht selbst verlieren. Rauf?«

Graphit auf Papier, 22 x 17 cm