Joseph Beuys

Joseph Beuys: ›Wahlplakat für die Grünen‹ 1979

Das Motiv zeigt Beuys’ Arbeit ›Der Unbesiegbare‹ aus den frühen 1960er Jahren: Ein Knetgummi-Hase wird von einem Spielzeugsoldaten aus Plastik bedroht. In Umkehrung der realen Größenverhältnisse ist der Hase viel größer als der Soldat dargestellt und damit offensichtlich keineswegs hilflos. In Beuys‘scher Terminologie ist das der sinnlose Kampf technischer Kälte gegen natürliche Wärme und Fruchtbarkeit. Das Plakat wurde von der Partei der Grünen als Wahlplakat abgelehnt.

 

Joseph Beuys (1921–1986) ist einer der bedeutendsten Objekt- und Aktionskünstler des 20. Jahrhunderts. Er setze sich intensiv mit den Fragen des Humanismus und der Sozialphilosophie auseinander und trat für antiautoritäre Bildung und die Demokratisierung ein. Für Joseph Beuys war gestalterisches und politisches Handeln mit seiner Vorstellung vom freien Menschen und dem Menschen als Natur- und Gesellschaftswesen verbunden. Seine gesellschaftspolitischen Aktivitäten zielten seit 1971 auf die Bildungspolitik, mit dem Ziel eine Alternative zu den staatlichen Ausbildungssituationen zu schaffen. Gemeinsam mit Klaus Staeck, Georg Meistermann und Willi Bongard gründete er 1973 die ›Freie internationale Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung‹. Ziel war es, offene Möglichkeiten des freien Forschens, Arbeitens und Kommunizierens zu schaffen, um Fragen einer sozialen Zukunft zu klären. Seine Kunst und Gesellschaft als Idee der Sozialen Plastik betraf die Durchdringung von Kunst und Gesellschaft. Als 1980 die neugegründete Partei Die Grünen neue basisdemokratische und ökologische Impulse in die Parteienlandschaft einbrachten, lies sich Joseph Beuys als einer der Spitzenkandidaten aufstellen.

Er führte für die junge Partei Kampagnen durch und gestaltete Wahlkampfplakate. Nachdem er als Kandidat für den Deutschen Bundestag 1982 bei der Bundesdelegiertenkonferenz keinen der vorderen Listenplätze erhielt, beendete er enttäuscht über den Parteienapparat seine aktive politische Mitarbeit. Er blieb jedoch bis zu seinem Tod 1986 offizielles Parteimitglied.