James Victore

James Victore (USA)

James Victores Plakate sind Beispiele für einen z.T. paradoxen Umgang mit Bild und Text:

 

›Celebrate Columbus 1492-1992‹, 1992

James Victore entwirft unter dem Slogan ›Celebrate Columbus‹ eine Antithese zu den Feiern zum 500. Jahrestag der Entdeckung Nordamerikas durch Christoph Columbus im Jahr 1992. Victore verwendet eines der berühmten Archivfotos des Häuptlings Washunga, einem Führer der Native Americans, dessen Antlitz er mit groben Strichen überzeichnet. Dieser gestalterisch brutale Eingriff verweist auf den Umgang der Eroberer mit den Stämmen der Native Americans, die ihrer angestammten Territorien und Lebensgrundlagen beraubt wurden. Der Slogan ›Celebrate Columbus 1492-1992‹ wird enttarnt als Eroberer-Geste, die die Unterdrückung und Ausbeutung der Bevölkerung nach sich zog. Die Beziehung von Text und Bild sind in diesem Fall zweifach paradox gebrochen. Der Slogan widerspricht dem Bild, der kritzelnde Eingriff des Gestalters widerspricht seiner Haltung, doch entlarvt sie den im offiziellen Gedenken als Kulturleistung gefeierte Entdeckung auch als Geschichte brutaler Unterdrückung.

 

 ›Hate‹ (›Signs of the future‹), 1997
im Auftrag der Anti Defamation League NY

James Victore nimmt wiederum das bekannte Muster des Totenschädels auf und verwebt aber Text und Bild zu einem Bildzeichen. Auffallend ist die kräftige händische Gestaltung, die die Handschrift des Autors deutlich macht, aber auch ein visuelles Mittel für die körperliche Gewalt sein kann und direkt wirkt. Bei ›Hate / Signs of the future‹ formt der grobe scheinbar hingeworfene Umriss einen Schädel. Die Augen- und Mundpartie werden durch ebensolche groben Buchstaben, die Nasenpartie durch die Abbildung einer Schnellfeuerwaffe gebildet und formieren das Wort Hate (engl. Hass).

 

James Victore (*1962, Idaho, USA) ist ein Designer, Künstler, Autor und Business Coach. 1990 gründete er sein Designstudio ›James Victore Inc.‹ in Brooklyn. Er entwarf Designs für das Time Magazine, Bobbi Brown cosmetics, Moët & Chandon und die New York Times. Einzelausstellungen u.a.: DDD Gallery, Osaka, Japan (1997), China Fine Art Museum, Beijing, China (1999), Design Within Reach, New York City (2005), Future Perfect Gallery, Brooklyn (2006)

Auszeichnungen u.a.: Emmy Award, Television Animation; Gold- und Silbermedaille, New Yorker Art Director´s Club (1992), World`s Best Environmenatal Poster, Helsinki Julistenbiennale (1997), International Design Excellence Award, A! Deseno, Morelia, Mexico (2007). Seine Werke befinden sich in der Sammlung von u.a.: MOMA New York, Louvre Paris, Stedelijk Museum, Amsterdam.