HAP Grieshaber

HAP Grieshaber: ›Recht auf Arbeit. Recht auf Kultur‹, Plakat für die Maikundgebung 1. Mai 1978, verkleinerte Offsetreproduktion des Original-Holzschnittes für die Industriegewerkschaft Druck und Papier 1978

Um 1978 standen sowohl in der Metall- als auch in der Druckindustrie tarifliche Arbeitskämpfe an. Das Einführen von elektronischer Textverarbeitung ließ ganze Berufsgruppen wie Setzer, Textmetteure, Korrektoren etc. überflüssig werden. Vor dem Hintergrund wachsender Arbeitslosigkeit ging es um die Umverteilung der Arbeit und die Verkürzung der Arbeitszeit. Dabei bildete der Begriff ›Arbeiterbewegung‹ für immer weniger Beschäftigte einen kulturellen und sozialen Bezugspunkt. HAP Grieshabers Plakat zum 1. Mai ist ein Versuch, das ›Recht auf Arbeit‹ und das ›Recht auf Kultur‹ für alle zu verdeutlichen. Zu sehen sind zwei Figuren vor einer Druckpresse und die Textblöcke ›Recht auf Arbeit, Recht auf Kultur/1. Mai 1978‹. Die Figuren sind mit dem Schwung ihrer Arme und Beine mit der Presse verbunden. Links steht der Drucker und rechts der Setzer. Dieser hält den Winkelhaken mit gesetzten Lettern linkerhand, das spiegelverkehrte ›E‹ wird bereitgehalten. Der Drucker hat den Appell auf rotem Druckpapier im Bildzentrum von der Presse abgezogen und hält sie dem Betrachter mit beiden Händen hin.

 

HAP Grieshaber (1909–1981) gilt als Erneuer der Holzschnitt-Technik nach dem zweiten Weltkrieg und entwickelte diese zum eigenständigen, monumentalen Wandbild weiter. Anfang der 1950er Jahre entstanden erste lebensgroße Werke, die er später zu teilweise mehrteiligen Zyklen erweiterte. Im Zentrum seines Werks standen dabei stets der Mensch und die Menschenwürde. Er wollte mit seiner Arbeit bestehende Missstände aufzeigen und unterstütze Bürgerinitiativen gegen Atomkraft, gegen die Zerstörung der Umwelt, gegen Kriegsdienst. 1955-1960 war er Professor an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Ausstellungen: documenta I (1955) ,documenta II (1959) documenta III (1964), Kassel; XXXI. Biennale Venedig (1962).