Grotto for Meditation, New Harmony, 1963

Die ›Grotto for Meditation‹ wurde 1963 von der amerikanischen Mäzenin und Aktivistin Jane Blaffer Owen (1915–2010) in Auftrag gegeben und war Kieslers letztes großes architektonische Projekt vor seinem Tod 1965. Die Grotte sollte in New Harmony, Indiana gebaut werden und als Zentrum der Meditation Kieslers Vision eines biomorphen, endlosen Raums verkörpern, in dem der menschliche Geist ungehemmt sein konnte. Der Meditationsraum wurde nie realisiert, es existieren lediglich Zeichnungen, Entwürfe und ein Bronzemodell. Das Modell zeigt Formen, die die Gestalt einer Muschel und eines Delphins annehmen. Die Schale ist höhlenartig und hat zwei Eingänge. Im Inneren besitzt sie eine Unterhöhlung, durch die Wasser von außen nach innen strömen kann. Daneben liegt ein Erdwall in Form eines Delphins, der von Wasser umgeben ist. Die beiden Formen sollen symbolisch miteinander in Wechselbeziehung stehen. Durch das Wasser und das Zusammenspiel von Licht werden sie miteinander verbunden. Die Grotte vereint Kieslers Vorstellungen von kontinuierlicher Spannung und biomorphen Architekturformen.

Da die Höhle im phylogenetischen Ursprung unseres Raumempfindens steht und deshalb auch Thema in tiefenpsychologoischen Theorien ist, verwendet Kiesler sie als Basis für seine architektonischen Ideen und Visionen.