Fotografie in Printmedien: technische Voraussetzungen

Im Vergleich zu den bisher vorherrschenden visuellen Medien wie Zeichnung oder Malerei erweckten fotografische Bilder den Eindruck der Augenzeugenschaft, der auf dem Glauben basierte, dass zwischen der abgebildeten Realität und dem Abbild nur die Technik und die physikalischen und chemischen Prozesse geschaltet waren und keine menschlichen Entscheidungskräfte. Dies ließ Fotografie als neutral und objektiv erscheinen. Das neue Medium fand sogar Einsatz in Jurisprudenz und Wissenschaft als Dokumentarfotografie. Auch die Presse will von der Überzeugungskraft der fotografischen Bilder profitieren, jedoch stehen die Reproduktionseinschränkungen im Weg: es war nämlich nicht möglich, eine Zeitungsseite schnell und in großen Auflagen zu drucken, die gelichzeitig Text und Bilder beinhaltete.

Erst mit der Erfindung von Autotypie um 1880 wurde die bildliche Komponente in den Printmedien revolutioniert. Fotografie löst die Zeichnung in den Zeitungen nach und nach ab. Autotypie stellt ein Vordruckverfahren dar, das die schnelle Reproduktion von Fotografien in Halbtönen ermöglicht. Bisher erlaubten die technischen Voraussetzungen ausschließlich den Druck von Volltonbildern, die sich aus dem Kontrast zwischen Schwarz (oder anderer druckender Farbe) und Weiß als nicht bedruckten Feldern zusammensetzten. Ein fotografisches Bild zeigt ineinander verlaufende Farben in vielen Tonabstufungen vom hellsten Farbton zum dunkelsten. Die Autotypie ermöglichte die Umwandlung eines Fotos – also eines Halbtonbildes – in ein Raster. Dies erfolgte ursprünglich mit optischen Methoden, d.h. das Bild wurde auf bestimmte Weise abfotografiert. Dazu wurde mit einer Großformatkamera das Original durch ein spezielles Raster reproduziert, das direkt vor dem Fotomaterial platziert wurde. Bei der Aufnahme durch ein gepunktetes Raster wird jedes Element des Rasters aufgrund des geringen Abstands zur Fotoemulsion als unscharfer Kreis sichtbar. Nach der Verarbeitung des Negativs im Labor werden Druckplatten hergestellt. Dafür werden die Rasterpunkte in Druckelemente und die Zwischenräume in Leerzeichen konvertiert. Die Verwendung der Druckplatten ermöglichte den gelichzeitigen Druck einer Zeitungsseite, die sowohl aus Text, als auch als Bildern bestand.

 

 

Bild: Rasterbild und Halbtonbild

Bildquelle: https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%90%D0%B2%D1%82%D0%BE%D1%82%D0%B8%D0%BF%D0%B8%D1%8F#/media/%D0%A4%D0%B0%D0%B9%D0%BB:Halftoning_introduction.png