Film Guild Cinema, New York, 1929

Kiesler konzipierte für die ›Film Arts Guild‹ ein völlig neues Kinohaus, das sich von der aufwendigen Filmpalastarchitektur seiner Zeit unterschied. Der Innenraum war ohne erkennbare Wände und Trennungen gestaltet. Für Kiesler war es wichtig, dass das Auditorium die Möglichkeit bietet, sich nur auf die Leinwand zu konzentrieren. Dabei sollte der Zuschauer sich wie in einem imaginären endlosen Raum fühlen.

Als Kiesler den Auftrag erhielt, stand der Rohbau bereits. Er gestaltete die Fassade mit einem Balken- und Flächenwerk in der De-Stijl-Manier (Niederländische Künstlervereinigung ab 1917). Die Leinwand erhielt eine große Fotoblende, das Screenoscope, um unterschiedliche Projektionsformate zu ermöglichen. Vier Projektoren sollten die Bilder des Films auf die Leinwand, Decke und Wände des Innenraums werfen. Es gab zusätzliche Lichteffekte im Zuschauerraum, die dem Publikum in dem komplett abgedunkeltem Raum ein zusätzliches sinnliches Gesamterlebnis boten. Kiesler selbst bezeichnete es daher als das erste ›100%-Prozent-Kino‹.