1922-2018: Die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg

1922: Die Sammlung ­Prinzhorn wird bekannt

 

Der historische Bestand der Sammlung Prinzhorn umfasst ca. 6.000 Zeichnungen, Aquarelle, Gemälde, Skulpturen, Textilien und Texte, die Insassen psychiatrischer Anstalten zwischen 1840 und 1945 geschaffen haben. Zu großen Teilen wurde dieser Fundus von dem Kunsthistoriker und Psychiater Hans Prinzhorn (1886-1933) während seiner Zeit als Assistenzarzt an der Psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg zusammengetragen und in einer wissenschaftlichen Studie ausgewertet. Seine Ergebnisse veröffentlichte Prinzhorn in dem vielbeachteten Buch ›Bildnerei der Geisteskranken‹. Während Prinzhorns psychiatrische Fachkollegen reserviert auf sein Werk reagierten, zeigten sich Künstler wie Paul Klee und Alfred Kubin tief beeindruckt von der Sammlung.

 

In seinem Buch entwickelt Prinzhorn zunächst eine Ausdruckstheorie der Gestaltung und ­versucht das Phänomen ‚Bildnerei‘ (den Begriff ‚Kunst‘ meidet er absichtlich, da er ihn als zu wertend empfand) gestaltungspsychologisch zu erklären. Zehn Bildwerke von als schizophren diagnostizierten Patienten analysiert er mit Hilfe von ‚Einfühlung‘. In einem dritten Teil werden diagnostische Fragen und Parallelen zu anderen Formen künstlerischer Gestaltung ­behandelt. Hier zieht Prinzhorn nicht nur die Kunst der sog. Primitiven und ­Kinderzeichnungen zum Vergleich heran, sondern auch Gegenwartskunst.

 

Hans Prinzhorn, Porträtfotografie, um 1910 © Sammlung Prinzhorn Heidelberg