Bildagenturen

Um den wachsenden Bedarf der Presse an Bildmaterial zu decken, wurden Bildagenturen oder Bildarchive gegründet. Zu den ersten kommerziellen Bildarchiven gehörte das 1936 entstandene Bettmann-Archiv in New York City. Das Bettmann-Archiv erhob zum ersten Mal für professionelles Bildmaterial Lizenzgebühren. Im Lauf der Jahrzehnte konzentrierte es sich auf zeithistorisch bedeutsame Aufnahmen in hoher Qualität. Fotografien, die über dieses Archiv vermarktet wurden, wurden weithin bekannt: Sei es die Invasion amerikanischer Truppen in der Normandie am D-Day, Marilyn Monroe auf dem New Yorker U-Bahn-Schacht oder die Bilder von Lewis Hine zum Aufbau des Empire State Buildings in New York. Dieses Archiv kann man zu dem Typ Bildagenturen zählen, die das Bildmaterial von freien professionellen oder semiprofessionellen Fotografen vermarkten. Dabei sind die Fotografen an Einnahmen prozentuell beteiligt. Teilweise stellen solche Bildagenturen Fotografen an, um eigenes Bildmaterial zu produzieren.

 

Einen zweiten Typ Bildagentur stellen Fotografengenossenschaften dar, die von Fotografen mit dem Ziel gegründet werden, Urheberrechte und Gewinne besser zu kontrollieren. Beispielhaft dafür ist das Bildarchiv ›Magnum Photos‹, dessen Name für Zeitgeist, Epochen, Ästhetik und Verständnis von Fotografie steht. Es wurde u. a. von Henri Cartier-Bresson und Robert Capa gegründet und war in Paris ansässig. Diese Agentur dominierte vor allem zwischen den 1950er und 1970er Jahren die Bebilderung der großen Illustrierten der Welt, sei es ›Time Magazine‹, ›Newsweek‹, ›Life‹, ›Stern‹ oder ›Paris Match‹, und prägte damit die Vorstellung von der klassischen Fotoreportage. Magnum erwarb sich auch besondere Verdienste um die Wahrung der Urheberrechte für die Fotografen und um eine angemessene Bezahlung.

 

Bild: Lewis Hine: Alter Arbeiter beim Bau des Empire State Building, 1930

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lewis_Hine#/media/Datei:Old_timer_structural_worker2.jpg