Angelika Dirscherl

Rosemarie Trockel, ›RT 807‹, 1999

»Hunde mag ich am liebsten von Weitem. Feuchte Schnauzen und große dunkle Hundeaugen ziehen bei mir nicht. Doch diese Dackelbande hat es gut bei mir, tägliches Beachten ist garantiert. Kein Tag vergeht, ohne dass ich sie mit meinen Blicken bedenke. Diese Viererbande nimmt mich mit auf ihre Streifzüge, wohin auch immer. Diese Tiere schauen auf mich wie ich auf sie, heraus aus dem schmalen Bilderrahmen, herunter von ihrer papierenen Spielwiese. Diese Viecher sind Tiere mit Persönlichkeit, Stellvertreter sind sie für einige Typen der ›buckligen Verwandtschaft‹: Der eine weiß alles besser, die anderen sind zu harmlos, zu bescheiden, und der Kleine links außen wird immer mein Freund sein! Sie spiegeln so herrlich humorvoll innere Prozesse und Befindlichkeiten. Ihr selbstbewusstes Exponieren gefällt mir.

Eine feine Camouflage des Menschseins bietet Rosemarie Trockel (*1952 in Schwerte) mir da tagtäglich in ihrem großformatigen Siebdruck, der so bewegt und bewegend daherkommt. Ihre individualisierte Tierdarstellung kehrt die Situation für mich als Betrachterin auf humorvolle Weise um, so kann ich, wann immer ich will, Zwiesprache mit der Dackelrotte halten. Hier herrschen erst einmal Sympathie und Freundlichkeit. Trockels zärtliche Haltung gegenüber Tieren kann ich spüren (es gibt von ihr andernorts auch Hühner, Silberfischchen, Affen, Läuse, Motten, Schweine und andere Hunde). Charme und ein kleiner Spott springen mich an manchen Tagen an, anderntags streift mich da auch eine unterschwellige Boshaftigkeit … Ein Bild, mit dem ich seit fast 20 Jahren gerne lebe, es ist gezeichnet worden in der ›Tradition des Komischen‹ (H. Bergson) und gibt mir ein tägliches Lachenlächeln.«