Heaven’s Gate

Heaven’s Gate war eine in den frühen 1980ern in den USA gegründete Neue Religiöse Bewegung, die einen Ufoglauben vertrat. Sie wurde von Marshall Applewhite und Bonnie Nettles geführt. Der kollektive Suizid der meisten Gruppenmitglieder während des Erscheinens des Kometen Hale-Bopp erregte 1997 weltweit großes Aufsehen. Applewhite überzeugte 39 seiner Anhänger zur Massenselbsttötung als Weg dazu, ihre Seelen auf eine Reise in ein Raumschiff zu schicken. Das Raumschiff sollte sich angeblich hinter dem Kometen befinden.

Im November 1996 veröffentlichte der Amateurastronom Chuck Shramek ein Foto des Kometen Hale-Bopp, auf dem direkt neben dem Kometen ein leuchtendes Objekt zu sehen war, das er als viermal so groß wie die Erde einschätzte – Astronomen identifizierten es später als einen Fixstern. Shramek informierte den an Grenzwissenschaften interessierten Radio-Moderator Art Bell. In dessen Sendung erklärte der Politikwissenschaftler Courtney Brown, die Hellseher, die er in seinem Farsight Institute untersucht habe, hätten das Objekt als Raumschiff Außerirdischer erkannt.

Das war für die Anhänger von Heaven’s Gate das erwartete Zeichen. Sie glaubten daran, dass der Erde ein „Recycling“ (im Sinne von Reinigung, Erneuerung) bevorstehe und dass das außerirdische Raumschiff hinter dem Kometen ihnen helfen werde, dieser Apokalypse zu entkommen. Im Februar 1997 erreichte der Komet Hale-Bopp eine scheinbare Helligkeit von 2m. Am 19. März 1997, drei Tage bevor der Komet der Erde am nächsten war, filmte Applewhite sich selbst. Er sprach darin von Massensuizid als dem einzigen Weg, die Erde zu verlassen. Er und seine Anhänger rechneten damit, dass ihre Seelen anschließend an Bord des Raumschiffs genommen und in eine „höhere Entwicklungsstufe“ überführt würden.

Am 26. März 1997 wurden die Leichen von Applewhite und 38 seiner Anhänger in ihrer Villa in der Gemeinde Rancho Santa Fe (nördlich San Diegos, Kalifornien) gefunden. Sie hatten offenbar in drei Phasen Suizid begangen: 15 Mitglieder starben am 24. März, 15 weitere am 25. März und neun am 26. März.

Die 39 Toten lagen ordentlich in Etagenbetten, waren mit purpurroten Tüchern zugedeckt und trugen einheitliche schwarze Kleidung, neue Turnschuhe und Armbänder mit der Aufschrift „Heaven’s Gate Away Team“. (Der Begriff „Away Team“ – Außenteam – ist der Science-Fiction-Serie Star Trek entliehen; er bezeichnet dort Besatzungsmitglieder, die auf einer Mission außerhalb des Raumschiffs, zum Beispiel auf einem Planeten, sind.) Jeder hatte einen 5-Dollar-Schein und drei Vierteldollar-Münzen in der Tasche.

Ein Gruppenmitglied, Rio Di Angelo, beging keinen Suizid. Er hatte Wochen zuvor mit Applewhite vereinbart, die Gruppe zu verlassen, damit er die Videos und Literatur der Bewegung weiterverbreiten könne. Von ihm stammt ein Video der Villa in Rancho Santa Fe, das der Polizei jedoch erst 2002, fünf Jahre nach dem Ereignis, zukam.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Heaven%E2%80%99s_Gate_(Neue_Religi%C3%B6se_Bewegung))