Vsevolod Nekrasov

Vsevolod Nekrasov / Wsewolod Nikolajewitsch Nekrassow (1934-2009) wurde gegen Ende der 1950er Jahre in der literarischen und künstlerischen Underground-Szene in Moskau tätig. Lange Zeit war es ihm untersagt, seine Werke der russischen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seine Gedichte erschienen bis zur Auflösung der Sowjetunion in Samisdat (nicht systemkonforme Texte, die im Selbstverlag publiziert wurden) und in Westeuropa. Am Anfang seiner Karriere war Nekrasov mit den experimentellen Schriftstellern und Künstlern der Lianozovo-Gruppe assoziiert und wurde schließlich ein Gründungsmitglied des Moskauer Konzeptualismus.

Nekrasovs Lyrik, die oft als minimalistisch charakterisiert wird, benutzt Wiederholungen und Paranomasien (die Verbindung von Wörtern mit ähnlichem Klang jedoch unterschiedlicher, teils gegensätzlicher Bedeutung), um seine sprachliche Umwelt zu dekonstruieren und zu rekontextualisieren – sie zielt auf alles, von sowjetischen politischen Mottos bis hin zu Klischees, die sich Menschen einander in alltäglichen Situationen erzählen. Nekrasov stellt z. B. Aussagen, die der durchschnittliche sowjetische Bürger für gegeben halten würde, mit scheinbar arbiträren Homophonen (ein Homophon ist ein Wort, das die gleiche Aussprache wie ein anderes aber eine unterschiedliche Bedeutung hat) nebeneinander. Neben den offensichtlich politischen Texten gibt es auch Gedichte, die sich mit dem Verhältnis zwischen einer offiziellen Umgangssprache, der „äußeren Sprache“  und der privaten inneren Stimme, der „inneren Sprache“ auseinander setzen.