Völkische Gesellschaften

Der Alldeutsche Verband

 

Der Alldeutsche Verband (ADV) wurde 1891 gegründet und bestand bis 1939. Sein erklärtes Ziel war die Stärkung deutschen Nationalbewusstseins. Zur Gründungsversammlung am 9. April 1891 in Berlin erschienen zahlreiche Honoratioren des protestantischen Bildungsbürgertums und des Adels. Zu Spitzenzeiten organisierte der Verband bis zu 52.000 Mitglieder (1922). Die Alldeutschen traten für eine imperialistische Kolonialpolitik ein, forderten die Förderung des „Deutschtums“ im Ausland und engagierten sich gegen nationale Minderheiten in Deutschland. Über die alldeutschen Reichstagsabgeordneten sowie mittels Denkschriften und anonym verfasster ›Weltmachtprogramme‹ übte der Verband nicht unerheblichen politischen Einfluss auf die Reichsregierung aus.

Der Kunstverein widmete dem Verband 1900 eine Ausstellung: ›Erste Publikation des Alldeutschen Verbandes mit 4 vaterländischen Kunstblättern von H. Braun, F. Lenbach, H. Petersen und A. Hoffmann‹.

Ab 1903 radikalisierte sich der Verband. Die Agenda sah nun auch die »Belebung der deutschnationalen Gesinnung, insbesondere Weckung und Pflege des Bewußtseins der rassenmäßigen und kulturellen Zusammengehörigkeit aller deutschen Volksteile« (§ 1 des Programms von 1903) vor. Die neue Satzung formulierte zudem explizit den Rassegedanken. Die Haltung gegenüber Juden, deren Mitgliedschaft umstritten, aber zulässig war, verhärtete sich, bis Juden 1919 ganz aus den Reihen des ADV ausgeschlossen wurden.

Am „Deutschen Tag“ in Coburg, einer völkischen Massenveranstaltung im Oktober 1922, nahmen Alldeutsche und Nationalsozialisten gemeinsam teil, mit Adolf Hitler an der Spitze.