Freie Flusszone Konzepttext

FREIE FLUSSZONE SÜDERELBE
Hypothetische Schließung für die Binnenschifffahrt

Landschaft ist Zwecken untergeordneter Raum – so könnte man vielleicht sagen. Es sind weniger die individuellen Formungs- und Planungsabsichten, sondern kollektive, weitgehend der Ökonomie verpflichtete und nahezu allgegenwärtig durchgesetzte Zwecksetzungen, die Landschaft ihre Gestalt verleihen.

An solche gestaltgebende Zwecksetzungen versuchen wir mit der Tätigkeit unseres Künstlerprojektraums Galerie für Landschaftskunst heranzukommen. Insofern geht es in vielen unserer Vorhaben weniger um die Entwicklung physischer Formen – denn wie vermögen sie auch solch allgewaltigen Landschaftselementen wie einer Autobahn oder einer Schifffahrtsstraße zu antworten?! –, sondern um Versuche, die Vorstellungen von dem, was Landschaft ist und sein könnte, zum Gegenstand der Modellierung zu machen.

Doch wie an dem forschen und wie das modellieren, was so sehr Grundparameter unserer Existenz geworden ist, dass wir kaum anders können, als gänzlich in dessen Gefüge zu denken, wahrzunehmen und zu leben? Eine Methode ist: wilde Thesen auf einen Raum projizieren, ihnen extrem nachgehen und dann mal schauen, was draus wird. Aus kindlichem Spieltrieb kennen wir z. B. das Stur-über-alle-Hindernisse-hinweg-Geradeausgehen oder das Das-Auto-nicht-unter-200-kommen-Lassen als Experimente, mit denen Raumordnungen auf die Probe gestellt werden können. Am Anfang unserer Projekte stehen Widmungen und Umwidmungen von Land, spielerische Thesen über seine Existenz. Häufig beruhen sie auf Beobachtungen dessen, was dort ist oder sein könnte, doppeln oder übertreiben es, analysieren es, machen es plump an oder verdrehen und verrücken es …und manchmal gelingt es auf diesem Wege, an der Substanz eines Stück Landes zu rühren.