Sharon Hayes ›Love Address‹

In ihren Videoarbeiten, Installationen und Performances untersucht Sharon Hayes den Einfluss von Geschichte, Politik und Raum auf die kollektive wie individuelle Subjektbildung. Zu diesem Zweck entwickelt sie konzeptuelle und methodologische Annäherungen, die sie aus künstlerischen und akademischen Zusammenhängen wie dem Theater, der Anthropologie, der Linguistik oder dem Journalismus entlehnt.

In ihrer Fortsetzungsarbeit ›In the Near Future‹ (2009) etwa schickt sie Protagonisten, die Demonstrationstafeln mit Statements wie ›We are innocent, ›Actions speak louder than words‹ oder ›I am a man‹ tragen, in den öffentlichen Raum.

Für die Ausstellung ›Playing a City‹ (2009) in Frankfurt entwickelte die Künstlerin für drei Sprecherinnen eine öffentliche Rede, die auf Englisch und auf Deutsch vorgetragen wurde. In der öffentlichen Darbietung eines unadressierten Liebesbriefes, vorgetragen auf einem zentralen Platz, verband sich die öffentliche Rede im Stil einer politischen Deklamation mit der intimen Gefühlsäußerung. Das Politische des Privaten wurde in der Rede dadurch betont, dass die ›Yes, we can‹-Formel, mit der Barack Obama seinen Wahlkampf absolvierte, auch die Liebe, zumal die lesbische, mit Hoffnung und Zuversicht auszustatten erlaubte.

Sharon Hayes nennt dieses fortlaufende Projekt ›Love Address‹(2009), da es sich um einen von ihr geschriebenen Liebesbrief handelt, in dem sich das Politische und das Private vermischen, der von wirtschaftlichen Bedrohungen gleichermaßen spricht wie von den Hoffnungen, die Liebende miteinander teilen.

 

Sharon Hayes (*1970, Baltimore) lebt und arbeitet in New York. Studium der Anthropologie (Bowdoin College in Brunswick, Maine), Performancekunst (Trinity/LaMama Performing Arts Programm in New York), Whitney Independent Study Program in New York, interdisziplinäre Studien (University of California in Los Angeles). Einzelausstellungen u. a.: Whitney Museum of American Art, New York (2012); Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid (2012); Warsaw Museum of Modern Art, Warschau (2008); Tate Modern, London (2008). Gruppenausstellungen u. a.: Biennale Venedig (2011 und 2013); Museum of Modern Art, New York (2012); WIELS, Centre d’Art Contemporain, Brüssel (2011); documenta 12, Kassel (2007).

Bild: https://www.youtube.com/watch?v=6RgH3-WHXcI

 

Weitere Informationen:

Website der Künstlerin

Sharon Hayes im Gespräch über ›In the Near Future‹ (2013)