Naeem Mohaiemen

Naeem Mohaiemen (*1969) ist ein Kunsthistoriker und visueller Künstler. Er bedient sich der Fotografie und des Films, um die Geschichte fehlgeschlagener und verlassener Utopien auf der ganzen Welt zu erforschen. Ab 2006 hat er an ›The Young Man Was‹ gearbeitet, einer Geschichte über Bangladesch in den 1970er Jahren, von der bereits Teile in der Kunsthalle Gwangju und bei der Sharjah Biennale gezeigt wurden. Im Heidelberger Kunstverein ist die Arbeit ›Live True Life or Die Trying‹ zu sehen. In ihr beschäftigt sich der Künstler mit der Art und Weise, wie seine Kamera, ›eine einseitige Haltung und Sympathie einnehmend‹, seine Dokumentation von zwei verschiedenen Protestbewegungen, die am gleichen Tag in Dhaka Anfang 2009 stattfanden, verändern könnte. Mohaiemens Arbeiten waren Teil der Whitney Biennale of American Art 2006, und wurden u.a. im L’institut des cultures d’Islam in Paris (2011) ausgestellt. Im Sommer 2017  ist er Teilnehmer der documenta 14.

›Naeem Mohaiemen versteht die Protagonist_innen seiner Arbeiten als Instrumente einer Auseinandersetzung mit den Strukturen der ›globalen Geschichte‹ (Samuel Moyn) und bildet dabei eine Art Meta-Archiv. Die Projekte des 1969 in London geborenen Künstlers und Schriftstellers erkunden die Geschichte südasiatischer Regionen mit ihren Schnittstellen und linken Aufständen ebenso wie den Bangladesch-Krieg von 1971 und die Rolle verfehlter Wahrnehmungsprozesse im Rahmen einer globalen Solidarität. Ihre Dramaturgie beruht auf persönlichen Geschichten, in die familiäre Betrachtungen und populärkulturelle Reflexionen zur Geschichte einfließen. Mohaiemens Protagonist_innen fungieren gewissermaßen als Träger_innen und Begleiter_innen der Entwicklungen offizieller Chroniken: Revolutionär_innen, Romanautor_innen, Doppelagent_innen, Märtyrer_innen, Theoretiker_innen.‹
(Text: Natasha Ginwala; http://www.documenta14.de/de/artists/988/naeem-mohaiemen)
Mehr Informationen auf der Website des Künstlers: http://shobak.org/