Max Liebermann (1847-1935)

Der deutsch-jüdische Maler Max Liebermann gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Impressionismus. Zunächst Student der Chemie begann er 1869 in Weimar ein Studium bei dem Historienmaler Ferdinand Pauwels. In der allgemeinen Kriegsbegeisterung von 1870 meldete sich Liebermann freiwillig und diente als Sanitär in Metz. Seine erste Reise in die Niederlande kurz nach Kriegsende beeinflusste ihn nachhaltig. Liebermann schuf erste sozialkritische Sujets, in denen er junge Bäuerinnen bei der Arbeit darstellte. 1873 bezog er ein Atelier auf dem Pariser Montmartre und lernte Werke der französischen Realisten und Impressionisten kennen, stieß jedoch als Deutscher auf Ablehnung. Nach einer Zwischenstation in München, wo er Wilhelm Leibl kennenlernte, kehrte er 1884 nach Berlin zurück.

Liebermanns sozialkritische Themen stießen Ende des 19. Jahrhunderts auf heftige Kritik, und er wurde als Maler des ungeschönten Alltags als „Schmutzmaler“ verunglimpft. So stand er schon früh inmitten eines ideologischen und politischen Ringens um die richtige Kunstauffassung. Als Gegner der historistischen Akademiemalerei stand er in Opposition zum repräsentativen Kunstgeschmack Kaiser Wilhelms II. Sein kunstpolitisches Engagement verstärkte diese Gegnerschaft. Liebermann trat zunehmend als Kopf der Modernisierer in Deutschland auf. Als Liebermanns Vorschläge für die Große Berliner Kunstausstellung 1898 von Kaiser Wilhelm II. und anderen Mitgliedern der Jury zurückgewiesen wurden, gründete er mit anderen Künstlern eine unabhängige Gemeinschaft. Die Berliner Secession, die einen Gegenpol zum konservativen und akademischen Kunstbetrieb bildete, war geboren.

 

Bildnachweis:

Jacob Hilsdorf, Max Liebermann, 1904