Henry Thode über Julius Meier-Graefe

»Meier-Graefes Ausführungen sind die längst von mir erwartete Konsequenz einer Kunstauffassung, die neuerdings von den fanatischen Bewunderern und Verehrern des modernen französischen Impressionismus gehegt wird. Diese sind so weit gegangen, zu behaupten, daß Manet ein Genie sei […]. Da nun diese französische Kunst in einem direkten Gegensatz zur originell deutschen steht, muss es dahin kommen, daß die letztere, wie in Meier-Graefes Entwicklungsgeschichte geschieht, zugunsten der französischen tief herabgesetzt, ja mit Verachtung behandelt wurde […], daß Meister von besonders deutscher Art, wie Böcklin und Thoma, in solchen Expektorationen einer Kritik unterzogen wurden, welche das Unkünstlerische, ja dem Künstlerischen Entgegengesetzte ihres Schaffens nachweisen wollte.«

Henry Thode: Böcklin und Thoma. Acht Vorträge über Neudeutsche Malerei, Heidelberg 1905, S. 3