Jean-Pascal Flavien: Serie ›protocols‹

Jean-Pascal Flavien untersucht, wie Architektur räumliche Erfahrung strukturiert und die Wahrnehmung unserer selbst und anderer formt. Er entwirft bewohnbare Szenarien. Es handelt sich dabei um Häuser, deren Grundrisse und Funktionen unsere gewohnten Vorstellungen von Architektur kaum entsprechen. Denn ihn interessiert weniger Funktionalität als vielmehr die Beschreibungen von Zuständen und Situationen, die in den Häusern aufgehoben sind und von den Architekturen hervorgerufen werden. Flavien entwirft Erfahrungsräume, die von imaginären, fiktionalen und spielerischen Elementen durchzogen sind. Zu jedem Haus entstehen Protokolle, die über Maße, Materialien, die Baubedingungen und -orte, Nutzung informieren.

In der Ausstellung sind zu sehen:
›projection house (house with another idea of itself)‹, 2015
Dieses Haus gibt vor, mehr zu sein, als es tatsächlich ist. Auf seine Fassade wird das Bild einer modernistischen Architektur projiziert. Tatsächlich verbergen sich hinter der großen Projektionswand nur zwei kleine würfelartige Räume, die mit Badezimmer, Schränken und einem Schlafzimmer spartanisch ausgestattet sind.

›ballardian two (what will you do with your time?)‹, 2015
Ballardian two ist ein Wüstenhaus, das kaum Schutz vor der Hitze bietet. Es verlangsamt die Bewegungen seines Bewohners und ordnet die Landschaft und Steine in seiner mittelbaren Umgebung selbst an. Inspiriert ist es von der Erzählung ›The Voices of Time‹ von J.G. Ballard.

›ballardian four‹, 2015
Zwei Häuser sind mittels eines Scharniers miteinander verbunden. Ein Haus ist zugänglich und kann bewohnt werden, das andere nicht. Das zweite Haus ist eine Art Abbild des bewohnbaren Gebäudes. Im Inneren befindet sich jedoch ein Stein, entsprechend der Steine der Wüstenlandschaft außerhalb des Hauses.

›split house‹, 2015
›split house‹, ist ein Haus für zwei Personen, die in Trennung voneinander leben. Das Haus besteht aus zwei geschwungenen Teilen, die an ihren Rücken miteinander verbunden sind. So können die Bewohner gemeinsam oder allein leben, denn jede Hälfte ist mit einem Schlafzimmer, einer Küche und einem Bad ausgestattet. Die Form des Hauses erinnert an zwei analoge Telefonhörer mit Hör- und Sprechmuschel, ein Sinnbild für die abbrechende Kommunikation der Bewohner.

Foto: Jean-Pascal Flavien: ›ballardian two (What will you do with your time?), 2015, Courtesy: der Künstler und Esther Schipper, Berlin, Foto: ©: Andrea Rossetti