Historische Aufarbeitung und Quellenlage zur NS-Zeit

Bisher existieren kaum ausführliche Arbeiten, die sich mit der Geschichte der Kunstvereine in der NS-Zeit und ihren Strukturen befassen. Die Studie von Ute Haug über den Kölner Kunstverein von 1998 bildet hier immer noch eine Ausnahme. In ihrer Untersuchung stellt sie fest, dass die oft angeführte totale Abhängigkeit von Reichsinstitutionen wie des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda und der Reichskulturkammer bei Weitem nicht derart übermächtig war. Vielmehr arbeiteten die vielen konkurrierenden Institutionen oft gegeneinander und kämpften um ihre Aufgabenbereiche. Die so entstandenen Nischen hätten gerade auf regionaler und städtischer Ebene eigenmächtige Entscheidungen zugelassen.

 

Auch für den Heidelberger Kunstverein gilt, dass ein enger Kontakt zum RMVP anhand der Aktenlage bisher nicht nachgewiesen werden kann. Dass es ihn gegeben haben könnte, ist wahrscheinlich, dann allerdings wohl über die regionalen Landesstellen des RMVP, ab 1937 Reichspropagandaämter genannt. Wer im Einzelnen die Belange des Heidelberger Kunstvereins lenkte, lässt sich zurzeit nicht endgültig klären. Auffallend ist jedoch, dass keine Akten erhalten sind, die von den ersten Vorsitzenden der NS-Zeit unterzeichnet wurden. Dafür findet sich in den erhaltenen Dokumenten fast ausschließlich die Signatur »H.W.-D.«.