Henry Thode (1857-1920), 1. Vorsitzender HDKV 1895-1909

Henry Thode studierte Kunstgeschichte und Philosophie in Leipzig, Berlin und München und promovierte 1880 in Wien. Auf einer Studienreise nach Paris, London, in die Niederlande und nach Italien traf er 1882 auf Richard Wagner, dessen Stieftochter Daniela er 1885 heiratete. Nach seiner Habilitation bei Carl Justi in Bonn tritt er die Stelle des Direktors am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt an. 1894 wurde er Extraordinarius für Neuere Kunstgeschichte in Heidelberg, das damals noch dem Institut für klassische Archäologie eingegliedert war. Von 1895 bis 1909 war Thode erster Vorsitzender des Heidelberger Kunstvereins, wo er die monografische Ausstellungsform einführte. Bevorzugt stellte er Werke Arnold Böcklins und seines Freundes Hans Thoma aus, die er für den Inbegriff deutscher Kunst hielt. Seit 1896 ordentlicher Professor lehnte Thode 1900 den Ruf an die Universität Berlin ab. 1901 wurde Thode zum Badischen Geheimrat ernannt. In der Debatte um den Wiederaufbau des Heidelberger Schlosses lehnte Thode die Rekonstruktion ab. Den völkischen Ideen seiner Zeit nahe stehend trat Thode 1907 dem nationalistisch-kulturpessimistischen Werdandi-Bund bei, der eine Erneuerung des „Deutschtums“ forderte. Das ihm 1910 angebotene Direktorat der Nationalgalerie lehnte Thode ab. 1911 legte er seine Professur nieder und wurde außerordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. In den Jahren bis zu seinem Tod 1920 folgte er einer regen Vortragstätigkeit. Sein Forschungsschwerpunkt galt der italienischen Renaissance. Zeitgenössische Malerei behandelte er akademisch nur ein einziges Mal in seiner Vorlesung ›Böcklin und Thoma‹ im Zuge der ›Zeitungsschlacht‹.

Thodes enge Verbindung zur völkischen Bewegung sowie seine rassenideologischen Ansätze wurden später von den Nationalsozialisten für das eigene kulturpolitische Programm vereinnahmt.

 

Bildnachweis:

Hans Thoma, Henry Thode, 1890, Öl auf Leinwand, Städel, Frankfurt am Main