Heidelberger Kunstverein unterm Hakenkreuz

Die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten markierte auch für den Heidelberger Kunstverein eine deutliche Zäsur. Nicht nur die innere und personale Struktur des Vereins, auch der Zweck der Vereinsarbeit wurde der NS-Ideologie unterstellt. Dieser lag in der Gründungssatzung von 1870 in der »Ausstellung von Werken der bildenden Kunst und der Beteiligung an den Interessen dieses Kunstgebietes überhaupt«. In der veränderten Fassung 1905 wurde die »Förderung der bildenden Kunst und des Interesses an derselben« hinzugefügt. Im NS-System wurde die Vereinsarbeit Instrument, um »die deutsche Kultur in Verantwortung für Volk und Reich zu fördern« (Satzung v. 1936). Damit war die einst bürgerliche Initiative mit autonomen Rechten zu einem Glied in der Kette einer hierarchisch verfassten Kulturpolitik geworden. Auf diese Weise sollte die gesellschaftliche Durchdringung der völkischen Normen erreicht werden. Prominente Mitglieder des Heidelberger Kunstvereins waren von dieser Politik betroffen: Der Kunsthistoriker August Grisebach wurde bereits 1933 in der Mitgliederversammlung vom 23. Mai seines Amtes enthoben. In derselben Versammlung traten mit Grisebach weitere jüdische Mitglieder, wie der ehemalige Vorsitzende Carl Neumann, aus dem Verein aus.

An Grisebachs Stelle trat zunächst der Kunsthistoriker Hubert Schrade und später Eugen Fehrle, mit dem sich das völkische Programm des Kunstvereins, das Schrade eingeleitet hat, nochmals verschärfte.

 

Bildnachweis:

Postkarte, „Heidelberg unterm Hakenkreuz“, undatiert